Wie geht's weiter? 5 Lehren aus der Flutkatastrophe

von Uwe

Mindestens 170 Menschen sind alleine in Deutschland bei der Flutkatastrophe ums Leben gekommen. Fest steht: Der Katastrophenschutz muss verbessert werden. Unklar ist, wie es mit dem Klimaschutz weitergeht. Was haben wir bis jetzt gelernt?
(Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay)

Wie geht's weiter? 5 Lehren aus der Flutkatastrophe

Die fortschreitende Zerstörung des Regenwaldes ist ein Grund dafür, dass der Overshoot Day immer früher erreicht wird (abgesehen vom Corona-Jahr).

Heute ist also der weltweite „Overshoot Day“: Ab sofort nutzt die Menschheit Ressourcen, welche die Erde dieses Jahr nicht mehr erneuern kann. Berechnet wird das vom Global Footprint Network auch in Prozentzahlen: Gegenwärtig verbrauchen wir 74 Prozent mehr als die Ökosysteme des Planeten wiederherstellen kann. Wir brauchen also 1,74 Erden – die wir nicht haben.

Dabei ist das, blicken wir auf Deutschland, immer noch wenig: Hierzulande war schon Anfang Mai Overshoot Day. Steffen Vogel, Sprecher von Germanwatch, spricht vom „Rebound-Effekt“: Die Corona-Epidemie habe ihren Höhepunkt überschritten, darum gebe es jetzt ein sprunghaftes Ansteigen der CO₂-Emissionen. Das Global Footprint Network geht davon aus, dass diese 2021 weltweit um 6,6 Prozent steigen werden.

Klimawissenschaftler*innen und Klimabewegung überraschen solche Berechnungen nicht. Manche zucken vielleicht sogar die Achseln, weil die Tatsachen seit Jahrzehnten auf dem Tisch liegen. Es wäre aber falsch, die Wirkung zu unterschätzen, die Stichtage wie der Overshoot Day haben können. Sie bieten Anlass zur reichweitenstarken Medienberichterstattung. Sie geben außerdem die Möglichkeit, im Wahlkampf mit einfach verständlichen Fakten zu argumentieren:

„Ab dem Tag beanspruchen wir also für das restliche Jahr mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald, als uns rechnerisch zur Verfügung stünden. Und wir stoßen weit mehr CO₂-Emissionen aus, als die Wälder und Ozeane der Welt aufnehmen können.“
(Germanwatch)

Was aktuell besonders wichtig ist: Der Wind hat sich gedreht. Selbst konservative Politiker*innen kommen am Klimaschutz nicht vorbei. Denn die Wähler*innen fragen immer mehr nach Möglichkeiten, Flutkatastrophen oder Hitzewellen zu verhindern. Sprich: Die Menschen sind bereit, zuzuhören.

Der Overshoot Day eröffnet uns in dieser Situation eine Chance, komplexe Zusammenhänge auf den Punkt (bzw. auf ein Datum) zu bringen und klare Handlungsempfehlungen abzuleiten. Insbesondere für die Politik, die letztendlich durch klimafreundliche Gesetzgebung und Planung (Energiewende, etc.) den Ressourcenverbrauch und die Emissionen beschränken kann – viel wirksamer als jede*r Einzelne von uns.

Gerade im Wahlkampf sollten wir daher den Erdüberlastungstag nutzen, um unsere Argumente zu unterstützen. Im Prinzip genügt dazu ein Satz:

„Übrigens, vor gerade mal 20 Jahren lag der Overshoot Day noch im September.“

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