„Süddeutsche Erdgasleitung“: Stoppt die sinnlose Zerstörung wertvoller Lebensräume!

von Patrick Bernhagen

„Weder energie- noch klimapolitisch sinnvoll“: Regionalgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW fordert den Stopp des Erdgas-Projekts.

„Süddeutsche Erdgasleitung“: Stoppt die sinnlose Zerstörung wertvoller Lebensräume!

Das Gastransportunternehmen terranets BW GmbH plant den Bau einer 250 Kilometer langen „Süddeutschen Erdgasleitung“ von Lampertheim nach Bissingen (Bayern). Bis 2026 soll ein knapp 50 km langer Leitungsabschnitt von Heidelberg über Leimen und Wiesloch bis nach Hüffenhardt fertiggestellt werden. Ein 15 km langer Abschnitt von Mannheim-Straßenheim über Heddesheim, Ladenburg, Dossenheim und Edingen-Neckarhausen nach Heidelberg soll bis 2027 folgen. Laut Terranets BW sei der Bau notwendig, weil die Nachfrage nach Erdgas steigen werde, u.a. durch neue Gaskraftwerke [1].

Die Regionalgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW tritt dem Projekt entschieden entgegen. Wenn der Leitungsbau nicht gestoppt wird, werden wertvolle Kulturlandschaften, Wälder und Naherholungsgebiete zerstört. Obendrein ist der Bau weder energie- noch klimapolitisch sinnvoll. Eine zukunftsfähige Energieversorgung kann nur mit erneuerbarer Energie gelingen. Erdgas ist ein fossiler Energieträger, dessen Nutzung die Klimakrise weiter anheizt. Vorstellungen, nach denen Erdgas als „Brückentechnologie“ für den Übergang in ein fossilfreies Energiesystem gebraucht werde, gelten mittlerweile als überholt.

Bei der Nutzung von Erdgas werden neben CO2 auch riesige Mengen Methan – ein Gas mit hoher Treibhauswirkung – freigesetzt. Bei Förderung, Lagerung, Transport und Verbrauch entstehen enorme direkte Methan Emissionen durch Leckagen, Ablassen oder Abfackeln. Auch ein leckagefreier Transport von Erdgas als Flüssiggas erzeugt aufgrund der energieintensiven Verflüssigung große Treibhausgas-Emissionen.

Ein weiterer Ausbau der Erdgasstrukturen würde unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern unnötig verschlimmern und zugleich erhebliche Risiken für die Finanzierung der Energiewende bergen. Die meisten Zukunftsszenarien zeigen eine Abnahme des Erdgasverbrauchs. Es drohen vorzeitige Stilllegungen mit Entschädigungen und Unternehmensklagen, für die letztendlich die Steuerzahler*innen geradestehen müssten.

In Zeiten knapper Kassen können wir uns derartige Abenteuer nicht leisten. Zudem fehlen diese Gelder für den dringend notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien. Von Seiten der Fossilindustrie wird behauptet, dass neue Erdgasleitungen im Zuge des Ausbaus der Wasserstofftechnologie umgenutzt werden könnten. Tatsächlich wird eine vollständig auf erneuerbaren Energieträgern beruhende Wirtschaft nicht gänzlich ohne Wasserstoff auskommen. Für die Speicherfunktion des erneuerbaren Wasserstoffs ist ein weiterer Ausbau der ohnehin schon ausgedehnten Erdgas-Infrastruktur jedoch nicht zweckdienlich [2].

In der Summe ist der geplante Bau der „Süddeutschen Erdgasleitung“
riskant und schädlich
. Dem steht ein zweifelhafter Nutzen gegenüber, der zudem nur dann wirklich einträte, wenn die Energiewende weiter verlangsamt würde. Die Regionalgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW fordert daher den sofortigen Stopp dieses energie- und klimapolitisch sinnlosen Projekts.

Quellen:
[1] Süddeutsche Erdgasleitung terranets bw. (zuletzt zugegriffen am 15.09.2021).
[2] Brauers, Hanna, Braunger, Isabell, Hoffart, Franziska, Kemfert, Claudia, Oei, Pao-Yu, Präger, Fabian, Schmalz, Sophie, & Troschke, Manuela. (2021). Ausbau der Erdgas-Infrastruktur: Brückentechnologie oder Risiko für die Energiewende? (Version 1.0, Deutsch) (1.0, pp. 1–11). Scientists for Future Germany.

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