Klima-Links der Woche: 50 Grad Celsius, Bundespartei, Wahlkampf brutal

von Uwe

(Foto: Beatrice Bednarz bei der Gründungs-PK der Bundespartei Klimaliste)
Im Wochenrückblick geht es um die Hitzewelle in Kanada, die Gründung unserer Bundespartei, Attacken gegen Annalena Baerbock, das Klimapaket der EU-Kommission, den CO₂-Preis und einen kühnen Plan: Enteignet die Autokonzerne! Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: 50 Grad Celsius, Bundespartei, Wahlkampf brutal

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Mobilität, Umwelt und Ernährung.

Gründung der Bundespartei Klimaliste

Auf einer Pressekonferenz in Berlin haben heute Vorstand und Mitglieder der Klimaliste die offizielle Gründung der Bundespartei bekanntgegeben. Die Klimaliste wird bundesweit zur Bundestagswahl im September antreten – mit Direktkandidierenden in möglichst allen Bundesländern.

Im Wahlticker der Süddeutschen Zeitung sind wir vor Sarah Wagenknecht, Wolfgang Schäuble und Armin Laschet gelandet.

Im SWR-Interview erläutert Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing, was die Klimaliste von den Grünen unterscheidet. (Audio)

Parteivorstand Jens Eberhard (Halle) erläutert gegenüber dem MDR die Strategie der Klimaliste: „Wir wollen die Grünen nicht abschießen, sondern Druck aufbauen“.

Im Deutschlandfunk sagt der Parteienforscher Ulrich von Alemann, kleine Parteien sollten nicht unterschätzt werden: „Demokratie braucht die Möglichkeit von frischem Blut.“

Naja, Blut spenden tun wir dann beim Roten Kreuz. Aber frischen Wind gibt's mit der bundesweiten Klimaliste auf jeden Fall. Und endlich eine bundesweit agierende Partei, die alle Maßnahmen tatsächlich am 1,5-Grad-Limit misst. Wir halten Euch auf dem Laufenden!

Thema der Woche

50 Grad Celsius in Kanada, mehr Hitzewellen in Deutschland – deutlich wie selten zuvor wurden diese Woche die Folgen der Klimakatastrophe in den Medien thematisiert:

Das ZDF berichtet wie viele andere Medien über Hunderte Tote durch eine Hitzewelle in Kanada. 49,6 Grad Celsius wurden am Dienstag in Lytton in British Columbia gemessen. Es mussten klimatisierte Zentren eingerichtet werden, um Menschen vor der Hitze zu schützen. Auch der US-Bundesstaat Oregon ist betroffen.

Die Stuttgarter Nachrichten zitieren Forscher*innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Diese rechnen mit einer deutlichen Zunahme an Hitzewellen auch in Deutschland.

Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe, erkärt in der taz, dass die Klimakrise zu extremeren Wetterbedingungen führen wird – in Kanada ebenso wie bei uns.

Wissenschaft

CO₂-Abscheidung weniger wirksam: Globale Aufforstung, Entfernung aus der Atmosphäre – das sind Methoden, mit denen sich Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen lässt. Doch diese Abscheidung könnte weniger bringen als bislang angenommen. Darauf deutet zumindest eine Studie der kanadischen Simon Fraser University hin. Die Forscher*innen haben festgestellt, dass es eine Asymmetrie im Kohlenstoffkreislauf der Erde gibt. Diese führt zu einem Ungleichgewicht bei der Abscheidung: Wird eine Tonne CO₂ entnommen, gleicht das nicht die Wirkung einer zuvor emittierten Tonne CO₂ aus.
forschung-und-wissen.de: Effekte negativer und positiver CO2-Emissionen nicht symmetrisch

Politik

„Fit for 55“ ist der Name des Klimapakets, das die EU-Kommission in 14 Tagen vorstellen will. Ziel ist es, eine Treibhausgasreduktion von 55 Prozent bis 2030 zu erreichen. Dies soll ermöglicht werden, indem der Emissionshandel ausgeweitet wird, etwa auf den Straßenverkehr, auf Gebäude und Wohnungen. Parallel dazu soll die Industrie ebenso entlastet werden wie einkommensschwache Bürger*innen.
taz.de: Noch nicht fit for 55

„Mit aller Brutalität“, so Autor Albrecht von Lucke, machen die Gegner*innen der Grünen in Medien und Wirtschaft mobil gegen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Damit ließen sie zugleich erkennen, „wie sehr sie eine grüne Kanzlerin fürchten“. Laut Lucke erleben wir den Kampf der Unternehmer, die unter Freiheit vor allem die Freiheit des Marktes verstehen, gegen die Transformationspläne der Grünen. Zugleich bestehe in der Bevölkerung wegen der Coronakrise keine Bereitschaft zur sozial-ökologischen Transformation. Das spiele Unions-Kandidat Armin Laschet in die Hände, der einen „Keine Experimente“-Wahlkampf führe. In seiner Analyse geht von Lucke auch auf den Generationenkonflikt ein, der effektiven Klimaschutz verhindere.
blaetter.de: Alle gegen Annalena: Die Angst der Grünen – und vor den Grünen

Die Klimaunion in CDU und CSU will das 1,5-Grad-Ziel in der Union populär machen. Zentrales Argument für den Klimaschutz: Er schaffe Wohlstand. Bei der taz heißt es dazu: „Die Frage ist allerdings, ob die Wohlfühl-Wende der Klimaunion für das 1,5-Grad-Ziel ausreicht.“
taz.de: Konjunkturbooster Klimaschutz

Geld und Gerechtigkeit

Hauptsache gerecht: Der CO₂-Preis taugt in Kombination mit einer guten Sozialpolitik hervorragend, um den Klimaschutz im Verkehrssektor zu verbessern. Das hat das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin ermittelt.
taz.de: Spritpreis ist sozialer als sein Image

Klimaschutz ist ein Jobmotor: Auch wenn manche Politiker gerne den angegblichen Verlust von Arbeitsplätzen anführen, wenn es um Maßnahmen in der Klimakrise geht – Tatsache ist, dass diese mehr Jobs schaffen. Von der Zukunftsfähigkeit dieser Arbeitsplätze im Vergleich zur Kohleindustrie ganz zu schweigen.
taz.de: Kürzer arbeiten für das Klima

Aktionen

Die Preise für Schnittholz sind explodiert, was unter anderem an Exporten liegt. Der Dachdecker Daniel Neuhaus hat eine Petition für einen Exportstopp gestartet. „Auch aus ökologischen Gründen wäre es am besten, man produziert und verarbeitet das Holz nahe bei den lokalen Wäldern“, sagt er. Aktuell hat er bereits über 130.000 Unterschriften gesammelt.
change.org: Exportstopp des Rohstoffs Holz

Das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co. enteignen hat jetzt auch offiziell die für einen Volksentscheid benötigten etwa 172.000 Unterschriften erreicht. Voraussichtlich wird in Berlin am 26. September darüber abgestimmt, ob private Wohnungskonzerne, die mehr als 3.000 Wohnungen besitzen, per Gesetz vergesellschaftet werden.
taz.de: Berlin stimmt über Enteignung ab

Mobilität

Eine Woche Mobilitätswende: Die taz widmete sich der Auto-Korrektur in einem Special mit täglichen Beiträgen. Den Auftakt machte ein strategischer Ansatz: Wie wäre es, wenn wir die Autokonzerne vergesellschaften würden?
taz.de: Reduce, shift, improve

Autohersteller enttäuschen ihre Mitarbeitenden: Ebenfalls ein Beitrag aus dem taz-Schwerpunkt – hier geht es um eine Befragung der Rosa-Luxemburg-Stiftung unter Beschäftigten der Automobilbranche. Die Umfrage bringt überraschende Erkenntnisse: Ein Großteil der Befragten setzt sich intensiv mit der Klimakrise und differenziert mit scheinbaren Lösungen wie der Elektromobilität auseinander. Grundsätzlich wird deutlich, dass sich die Arbeitenden wesentlich weniger stark mit ihren Unternehmen identifizieren als in früheren Zeiten.
taz.de: Die Karre begeistert nicht mehr.

Klimabewegung nimmt IAA ins Visier: Die Internationale Automobil Ausstellung findet im September erstmals in München statt – als „Mobilitätsmesse“. Aktivisti des Bündnisses „Sand im Getriebe“ und lokale Gruppen planen Demos und Blockaden.
taz.de: Jetzt gegen das Auto

Bremse rein beim Straßenbau: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel fordert, dass alle noch nicht begonnen Straßenbauprojekte noch einmal auf ihre umwelt- und klimapolitischen Auswirkungen untersucht werden.
taz.de: „Wir wollen auf die Bremse treten“

Höhere Benzinpreise bergen gesellschaftlichen Zündstoff. In diesem Beitrag wird darauf hingewiesen, dass sie gar nicht nötig sind – zumindest nicht, um den Umstieg vom Verbrenner aufs Elektroauto zu fördern. Die Elektrischen seien ohnehin insgesamt betrachtet günstiger und böten daher genügend Anreiz, umzusteigen.
freitag.de: Die Benzinpreiszündler

Autos oder Fahrräder? Die Stadt Flensburg lässt ihre Bürger*innen im Rahmen eines „Masterplans Mobilität“ über die künftige Nutzung der Straßen abstimmen.
taz.de: Flensburg schafft Platz

Klimafreundlich fliegen? Das geht nicht, sagen Umweltverbände, daran ändert auch das Angebot einer CO₂-Kompensation nichts. Sie bemängeln, dass das System nur die Verantwortung vom Staat auf die Bürger*innen abwälze.
Moderner Ablasshandel?

Umwelt und Ernährung

Die Dürre in Madagaskar bedroht das Leben von bis zu 400.000 Menschen. Das Welternährungsprogramm WFP berichtet, dass in dem Inselstaat vor der afrikanischen Küste bereits jetzt Menschen an Hunger sterben. „Das ist nicht wegen eines Kriegs oder Konflikts, sondern wegen des Klimawandels", sagt WFP-Exekutivdirektor David Beasley.
tagesschau.de: Hunderttausenden droht der Hungertod

Wahlkampf pur: Agrarministerin Julia Klöckner fordert plötzlich ein europaweites Verbot von Tiertransporten in Drittländer. Gemeinsam mit den Niederlanden und Luxemburg hat sie sich dafür an den EU-Agrarrat gewandt. Beim Deutschen Tierschutzbund heißt es zu Klöckners Vorstoß, sie versuche nur, die Verantwortung abzuschieben.
tagesschau.de: Klöckner will EU-Regeln bei Tiertransporten

Umweltverbände sind enttäuscht vom jetzt verabschiedeten Gesetz zum Insektenschutz. Mit dem Gesetz wurde etwa der Einsatz von Insektiziden etwas stärker reglementiert. Christine Vogt, Landwirtschaftsreferentin des Umweltinstituts in München, nennt das Gesetz einen „ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung“.
taz.de: Etwas mehr Schutz für Insekten

In der nordamerikanischen Sonora-Wüste sorgt zunehmende Trockenheit für ein Pflanzensterben.
spektrum.de: Die Wüsten verlieren ihre Pflanzen

Macht's gut – und hier noch ein Video-Tipp: Mai Thi Nguyen-Kim ist SCIENCE WOMAN, zumindest wenn es nach Carolin Kebekus geht.
youtu.be: Kebekus

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