Klima-Links der Woche: Macht 49,6 Grad Celsius zum Wahlkampfthema!

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Hitzekatastrophe, Laschets Bleifuß und den Sparwahn der Landesregierung. Außerdem: versagende Journalist*innen, rettende Bäume und ein Plädoyer für ökologische Landwirtschaft. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Macht 49,6 Grad Celsius zum Wahlkampfthema!

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung

Die Gründungs-Pressekonferenz der Klimaliste Deutschland fand ein breites Echo in den Medien. Hier ein Beitrag aus den ARD Tagesthemen:
tagesschau.de: Partei statt Straße?

Am heutigen Freitag wurde die KlimalisteBW vom Bundeswahlleiter offiziell zur Bundestagswahl am 26. September zugelassen.
Hier gibt's die aktuellen Infos zu unserem Wahlantritt.

Wissenschaft

Die Hitzekatastrophe in Kanada und Kalifornien mit Temperaturen bis zu fast 50 Grad Celsius liefert Wissenschaftler*innen Belege für die Auswirkungen der Erderhitzung. Die beispiellose Hitzewelle sei durch den menschengemachten CO₂-Ausstoß um 150 Mal wahrscheinlicher geworden. Das steht in einer bislang unveröffentlichten Studie des Projekts World Weather Attribution (WWA). Die Wissenschaftler*innen bezogen in die Studie historische Temperaturdaten (immer von Ende Juni bis Anfang Juli) seit 1800 ein. „Was wir sehen, ist beispiellos“, sagte Friederike Otto, Forscherin an der Universität Oxford, der Tagesschau: „Es ist nicht normal, dass Wärmerekorde um vier oder fünf Grad Celsius gebrochen werden."
tagesschau.de: „Beispielloses“ Zeichen des Klimawandels

Die Extremtemperaturen in Kanada haben in British Columbia zu über 100 Waldbränden geführt. Die Ortschaft Lytton, in der die Rekordtemperatur von 49,6 Grad gemessen wurde, ist durch ein Feuer fast vollständig zerstört worden.
tagesschau.de: Extremhitze entfacht mehr als 100 Wandbrände

Pflanzt mehr Bäume, Leute! Eine Arbeitsgruppe der ETH Zürich hat ermittelt, dass eine 20 Prozent größere Waldfläche in Europa die Regenfälle um mehr als sieben Prozent erhöhen könnte. Dadurch ließen sich die Folgen der Klimakrise abmildern. Ausgewertet wurden für die Untersuchung Daten über Regenfälle durch Wald sowie Statistiken möglicher Effekte auf dem ganzen Kontinent. Die Arbeitsgruppe hat allerdings vor Euphorie gewarnt, es seien noch nicht alle Einflussgrößen erfasst worden.
spektrum.de: Neue Wälder könnten Klimafolgen mildern

Politik

Die Plagiats-Vorwürfe gegen Annalena Baerbock haben dazu geführt, dass die Grünen in Meinungsumfragen deutlich Boden gegenüber der CDU verloren haben. Die taz forderte am vergangenen Wochenende sogar, Baerbock solle die Kandidatur zugunsten von Robert Habeck aufgeben.
taz.de: Es ist vorbei, Baerbock!

Baerbock oder Rekordhitze in Kanada? Auch die Medien sollten endlich erkennen, dass die Klimakrise ein wichtigeres Thema ist als Wahlkampfgeplänkel, meint die taz in einem Kommentar.
taz.de: Und nun zum Wetter

Total neben der Spur: Armin Laschet will keine „unsinnigen Debatten“ über ein Tempolimit führen. Laut Bundesumweltamt würde ein Limit von 130 km/h auf Autobahnen die CO2-Emissionen um 1,9 Millionen Tonnen senken – sofort und praktisch ohne Mehrkosten.
stuttgarter-nachrichten.de: Armin Laschet findet Tempolimit 130 „unlogisch“

Die taz haut Laschet seine Vorgestrigkeit um die Ohren – vollkommen zu Recht.

Italien investiert Milliarden in den Klimaschutz, trotzdem gibt es Kritik von Umweltverbänden. Sie werfen der Regierung beispielsweise vor, die klimaschädlichen Subventionen nicht abschaffen zu wollen.
taz.de: Vom Nachzügler zum Musterland?

Umwelt- und Klimaschutz werden nicht in der französischen Verfassung verankert, obwohl die Regierung, die Nationalversammlung und der Bürgerrat sich dafür eingesetzt hatten. Die konservative Mehrheit des französischen Senats fürchtet, dass sich ihre Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mit Klimaschutzzielen vereinbaren lässt.
taz.de: Klimaschutz kein Verfassungsziel

Versagende Politik: Autor Toralf Staud („Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“) rechnet im Freitag mit der Bundesregierung ab: „Was muss eigentlich noch passieren, damit die deutsche Klimapolitik endlich in die Gänge kommt?“
freitag.de: Dürre im Kopf

Geld und Gerechtigkeit

Sie kapieren's einfach nicht. Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg setzt alles daran, 2022 keine neuen Schulden zu machen. Dem muss sich voraussichtlich auch der Klimaschutz unterordnen. Das ist so kurz gedacht, dass uns die Spucke wegbleibt. Allein die Unwetter im Juni haben in Baden-Württemberg Schäden in Höhe von etwa 8 Milliarden Euro angerichtet. Geld für den Klimaschutz auszugeben, ist eine unverzichtbare Investition in unsere Zukunft.
swr.de: Trotz Corona: Grün-Schwarz will 2022 offenbar ohne neue Schulden auskommen

Wie um das zu unterstreichen, gab es in der Nacht zum Freitag erneut schwere Unwetter in Baden-Württemberg.

... und einen Fast-Tornado bei Bad Mergentheim

Versagender Journalismus: Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung zeigt, dass Wirtschaftsjournalist*innen ausgesprochen einseitig berichten. Laut der Studie ergeben aktuelle Forschungsbefunde, „dass bestimmte wirtschaftspolitische Themen wie etwa Gerechtigkeits- und Ungleichheitsdebatten kaum journalistisch aufgegriffen werden.“ Grund dafür ist unter anderem die einseitige Ausbildung. Sie führe unter anderem dazu, dass in der Klimakrise „das Wachstumsparadigma weitgehend unreflektiert verteidigt wird“.
heise.de: Studie: Wirtschaftsjournalisten verstehen ihr Fach nicht

Die Europäische Zentralbank (EZB) will mehr für den Klimaschutz tun: Mit einem Aktionsplan soll dieser stärker in den geldpolitischen Überlegungen berücksichtigt werden.
tagesschau.de: EZB ändert Inflationsziel

Die Ressourcen sind endlich – und damit auch der Kapitalismus: Überlebensfähig ist er jedenfalls nicht, wenn er weiter auf fossile Brennstoffe setzt, sagt Ines Schwerdtner, Chefredakteurin der deutschen Jacobin-Ausgabe, in einem Beitrag für den Freitag.
freitag.de: Grüne Lügen

Aktionen

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts war nur der Anfang: Nachdem die Bundesregierung sich gezwungen sah, das Klimaschutzgesetz anzupassen, klagt die Deutsche Umwelthilfe nun gemeinsam mit Schüler*innen und Student*innen gegen die Bundesländer Bayern und Brandenburg. Nordrhein-Westfalen soll folgen.
taz.de: Klimaklagen gegen Bundesländer

Barcamp in Freiburg: NGOs und Klimaaktivisti haben sich in Freiburg getroffen, um Projekte und Lösungen rund um den Klimaschutz zu diskutieren.
swr.de: Freiburger Barcamp: Ideenschmiede zur Bewältigung der Klimakrise

Wie man eine Pipeline in die Luft jagt, erklärt der schwedische Humanökologe Andreas Malm, der eine zweigleisige Strategie zur Klimarettung vorschlägt: Verhandeln und Sabotage.
deutschlandfunkkultur.de: Intelligente Sabotage für einen radikalen Klimaschutz

Energie

Daimler, Volvo, Bosch, ElringKlinger, Freudenberg: Eigentlich sollten diese Unternehmen selbst in der Lage sein, sich um die Entwicklung von Wasserstoff-Technologien zu kümmern. Die auf der Schuldenbremse stehende (siehe „Geld und Gerechtigkeit“) Landesregierung will sie dennoch mit 358 Millionen Euro fördern. Allein Daimler hat im ersten Quartal 2021 einen Nettogewinn von 4,4 Milliarden Euro erzielt.
swr.de: Baden-Württemberg will „grünen Wasserstoff“ mit 358 Millionen Euro fördern

Heftige Kritik an der Richtlinie für klimafreundliche Finanzinvestments der EU-Kommission gibt es derzeit von fünf Ländern, darunter auch Deutschland. Die Kommission will Atomkraft als „grüne Technologie“ einstufen.
taz.de: EU findet AKWs klimafreundlich

Betreibt das Bundeswirtschaftsministerium zehn oder 27 Rechenzentren? Die Bundesregierung hat auf eine Anfrage der Linken zum Stand von Digitalisierung und Nachhaltigkeit widersprüchliche Antworten gegeben. „Das Ausmaß der Unkenntnis des Status Quo in Sachen Klimabilanz der Bundes-IT ist erschreckend“, urteilt Anke Domscheit-Berg, digitalpolitische Sprecherin der Linksfraktion.
tagesschau.de: „Erschreckendes Ausmaß an Unkenntnis“

Mobilität

Streitgespräch Scheuer – Özdemir: Zum Abschluss ihrer Themenwoche zur Verkehrswende lässt die taz den Verkehrsminister und Vorsitzenden des Verkehrsausschusses diskutieren.
taz.de: Wer fährt?

Die Wasserstoff-Euphorie grassiert jetzt auch am Stuttgarter Flughafen: Dort soll irgendwann ein klimaneutrales Regionalflugzeug starten. Bislang gibt es allerdings nur eine Absichtserklärung. Dem Klima wird's egal sein, wenn der Brennstoffzellen-Flieger irgendwann in die Luft geht. Was wir brauchen, ist ein sofortiges Verbot der kerosinfressenden Inlandsflüge.
swr.de: Stuttgarter Flughafen: Klimaneutrale Flüge in Reichweite?

Lastenräder sind schwer im Kommen, treffen aber überall auf Engpässe. Da hilft nur, den Autofahrer*innen Platz wegzunehmen.
taz.de: Revierkampf auf zwei Rädern

Umwelt und Ernährung

Schäden in Milliardenhöhe haben die schweren Unwetter in Baden-Württemberg angerichtet – ein Vorgeschmack auf die Kosten der Klimakrise. Wir sagen: lieber jetzt in den Klimaschutz investieren!
swr.de: Unwetter-Serie im Juni richtet Schäden in Milliardenhöhe an

Ökologische Landwirtschaft soll sich lohnen, das fordert die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), die nach zehn Monate dauernden Beratungen jetzt ihren Bericht vorgelegt hat. Finanzielle Förderung soll demnach an umwelt- und klimapolitischen Vorgaben ausgerichtet werden.
zdf.de: Wie Landwirtschaft in Zukunft aussehen soll

Die taz sieht eine neue Einigkeit zwischen dem Bauernverband und seinen Kritiker*innen, die ganz neue Möglichkeiten für den Klimaschutz eröffne.

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