Weltklimagipfel in Glasgow: Jetzt zählen nur noch Taten!

von Uwe

Hohe Erwartungen, schlimme Befürchtungen. Vor der Weltklimakonferenz 2021 in Glasgow ist nur eines klar: Die Zeit läuft ab, es muss gehandelt werden, insbesondere von Industriestaaten wie Deutschland.

Weltklimagipfel in Glasgow: Jetzt zählen nur noch Taten!

Vom 31. Oktober bis zum 12. November 2021 treffen sich die Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention. Auf der „Conference of the Parties“, abgekürzt COP26, wird über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 diskutiert.

Das Paris-Ziel ist es, die globale Erderhitzung bis zum Ende des Jahrhunderts auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen – im besten Fall auf 1,5 Grad. 195 Staaten haben sich darauf verpflichtet. Doch in der Umsetzung ist die Weltgemeinschaft weit davon entfernt, das Ziel zu erreichen: 2020 ging der CO2-Ausstoss zwar um sieben Prozent zurück, doch das war nur ein Corona-Effekt. Das UN-Umweltprogramm berechnete Ende des Jahres, dass wir auf eine Erderhitzung von mehr als drei Grad zusteuern.

Die Autor*innen des diese Woche erschienenen Climate Transparency Report 2021 sehen die G20-Staaten, zu denen auch Deutschland gehört, auf Kurs 2,4 Grad. Die Lage ist dramatisch, denn laut Weltklimarat IPCC bleiben der Welt nur noch drei Jahre, um die Wende zu schaffen. Falls der globale Ausstoß von CO2 bis 2025 nicht seinen Höhepunkt erreicht, ist eine Begrenzung auf zwei Grad Erderhitzung laut IPCC außer Reichweite – von 1,5 Grad ganz zu schweigen. Immerhin: Laut dem „Emission Gap Report“ der UN ist die 1,5-Grad-Begrenzung noch zu schaffen. Aber eben nur, wenn weltweit in Richtung erneuerbare Energien und Klimaschutz umgesteuert wird.

Wann werden 100 Prozent Erneuerbare erreicht?

Bei der COP26 in Glasgow geht es darum, dass die Staaten konkrete Zusagen machen: Wann werden 100 Prozent erneuerbare Energien erreicht? Wie lange dürfen Kohlekraftwerke noch laufen? Werden Wälder aufgeforstet und Moore renaturiert? Wie werden ärmere Länder im globalen Süden von den Industriestaaten unterstützt? Zu diesen und vielen anderen Fragen sollen die Staaten konkrete Zusagen liefern.

Einzelne Länder haben bereits im Vorfeld der Konferenz Maßnahmen angekündigt. So hat der britische Regierungschef Boris Johnson zugesichert, sein Land werde bis 2035 aus Kohle und Erdgas aussteigen. Damit erhöht Johnson den Druck auf die übrigen Industrieländer, insbesondere auf Deutschland, das nach aktuellem Stand erst 2038 aus der Kohle aussteigen will. Kommt es zu einer Ampelkoalition, könnte sich dies ändern. Die SPD 100 Prozent Erneuerbare bis 2040, die Grünen schon bis 2035. Die FDP hat sich nicht festgelegt.

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) hat die Ziele der Weltklimakonferenz wie folgt definiert: „Von der COP 26 muss das Signal ausgehen, dass wir die 1,5 Grad-Obergrenze und die anderen im Pariser Abkommen verankerten Klimaziele in Reichweite halten. Die G20-Staaten, die dies bisher noch nicht getan haben, müssen jetzt bis zur COP26 höhere Klimaschutzziele und mutigere Langfriststrategien vorlegen, so wie wir es als EU getan haben. Die Geberstaaten müssen aufzeigen, wie sie die Finanzierungszusage für die Entwicklungsländer über 100 Milliarden US Dollar erfüllen wollen. Hier klafft nach wie vor eine Lücke. Zudem gilt es, den Anteil für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel signifikant zu erhöhen.“

Die Erwartungen an COP26 sind aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre stark gedämpft. UN-Generalsekretär António Guterres mahnt im Angesicht immer häufigerer Extremwetter-Ereignisse zum Handeln: „Wir brauchen eine dramatische Verbesserung der national festgelegten Beiträge der meisten Länder.“

Die Klimabewegung wird die Konferenz mit Aktionen begleiten, auch in Deutschland. Aktuelle Infos dazu findet Ihr hier im Blog, sobald wir mehr wissen. Proteste sind auf jeden Fall dringend nötig, denn es ist nicht zu erwarten, dass in Glasgow ein Wunder geschieht und CO2-Rekordhalter wie die EU, China oder die USA konkrete und ausreichende Maßnahmen zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze vorlegen.

LINKS

Einen Überblick zu aktuellen Klimaprotesten im Oktober findet Ihr hier.

Die UN-Klimakonferenz 2021 in der Wikipedia.

Ihr seid Expert*innen für ein bestimmtes Thema rund um den Klimaschutz? Dann könnt Ihr bei Nature.com Feedback und Wünsche zur COP26 hinterlassen.

1.500 Organisationen aus 130 Ländern: Das Climate Action Network International (CAN) ist die Vereinigung der internationalen Klima- und Umweltverbände.

Hier gibt es eine Übersicht, welche Gruppen (zum Beispiel die Europäische Union) in Glasgow verhandeln.

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