Wir sollten einander wieder mehr vertrauen!

von Guido Mennicken

Ein Beitrag zur Völkerverständigung in der Klimakrise.

Es gab ein kurzes Zeitfenster in der Geschichte, in der die berechtigte Hoffnung bestand, die Menschen weltweit würden zueinander finden und eventuelle Konflikte von nun an zivilisiert, entlang vereinbarter Spielregeln lösen.

Es war die Zeit nach dem Ende des kalten Krieges. Die UNO hatte eine vergleichsweise starke Stimme und es wurden neue Institutionen wie der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag geschaffen, als ein wichtiges Instrument weltweiter Gerichtsbarkeit. Es wurden wichtige Abrüstungsverträge unterzeichnet und der Fokus lag auf einer gemeinsamen wirtschaftlichen Entwicklung mit Staaten wie Russland, China und der Türkei. Die Menschen auf der Straße waren gewillt, die „andere Seite“ hinter dem Eisernen Vorhang kennenzulernen und sich auf
Augenhöhe zu begegnen.

Wenn man sich heute mit Menschen verschiedener Nationen unterhält, klingt das leider häufig anders. In Deutschland hört man wieder häufiger pauschale Urteile, in denen die zwischenmenschliche Ebene mit politischen Entwicklungen verknüpft wird und pauschal ablehnende Haltungen sind scheinbar wieder salonfähig.
Habt ihr Euch mal die Mühe gemacht, die andere Perspektive einzunehmen? Was würden viele Menschen auf der Straße in China, Russland oder der Türkei antworten? Insbesondere wenn man bedenkt, dass sie kaum Zugang zu freien Medien haben und die staatliche Propaganda die Medien dominiert?

Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit denke ich, dass viele Menschen …

… in der Türkei antworten würden, dass die EU über viele Jahre hinweg unehrlich agiert hat und die Türkei nie wirklich dabeihaben wollte, selbst in einer Zeit als diese sich politisch und gesellschaftlich Europa angenähert hat. Schlimmstenfalls würden sie sagen, dass dies nur am mehrheitlich muslimischen Glauben läge.

… in Russland antworten würden, dass der Westen Russland nicht mehr ernst genommen hat, sobald die militärische Stärke Russlands und der internationale Machtanspruch unter Boris Jelzin nachgelassen haben. Einige haben dies vermutlich als Demütigung Russlands empfunden und sind froh, in Putin wieder einen starken Anführer zu haben, der Amerika und anderen die Stirn bietet. (Ich selbst bin keineswegs ein Fan von Putin, eine Diktatur bleibt eine Diktatur, bleibt eine Diktatur!)

… in China antworten würden, dass China alleine aufgrund seiner Größe und Bevölkerungszahl zu den führenden Nationen in der Welt gehören sollte. Die Forderungen des Westens nach einer Wahrung der Menschenrechte empfinden einige Chinesen eventuell als doppelzüngig, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass einige westliche Firmen und Manager Ideale schnell über Bord werfen, sobald es ein paar Euros zu verdienen gibt.

Menschen sind keine Regierungen. Pauschalurteile sind immer falsch.

Wir teilen alle mehr oder weniger dieselben Bedürfnisse. Darum bin ich überzeugt: Es ist wichtiger denn je, dass wir uns auf dieser menschlichen Ebene wieder mehr begegnen, austauschen und ehrlich und fair miteinander kommunizieren. Meiner Erfahrung nach nehmen sich Menschen auch durchaus kritische Worte zu Herzen, solange sie keine versteckten Absichten dahinter vermuten.

Wir müssen einander wieder respektvoll begegnen, in einen Vertrauensvorschuss investieren. Wie in jeder Beziehung geht dies nur Schritt für Schritt. Jede Seite muss zeigen, dass sie dieses Vertrauen auch verdient. Wenn uns das gelingt, können wir auch auf der politischen Bühne wieder zueinander finden.

Es gibt dabei keinen Grund, gleich bei der ersten Enttäuschung aufgeben! Es menschelt überall und nirgendwo gibt es ausschließlich nette Menschen. Meiner Erfahrung nach hat der liebe Gott die Anzahl der freundlichen Menschen und die der Arschlöcher ziemlich gleichmäßig über den Planeten verteilt! ;)

Was heißt das für die Politik?

Die Sache liegt hier anders. Freundschaften zwischen Staatengebilden kann es nicht geben. Daher ist es so wichtig, auf ganz verschiedenen Ebenen vertrauensvoll zusammen zu arbeiten. Gleichzeitig müssen wir realistisch sein und uns antidemokratische Machtstrukturen bewusst machen. Naivität ist unangebracht. Menschen wie der türkische Präsident Erdogan hören erst zu, wenn aus einer Position der Stärke heraus agiert wird. Politische Strategien wie „Soft Power“ oder „Töte das Huhn, um den Affen Angst einzuflößen!“ (chinesisches Sprichwort) müssen analysiert werden und verlangen eine ebenso strategische Antwort.

Die Vereinbarungen zweier Staaten sind im Idealfall von einem fairen Interessensausgleich geleitet. Hier sollten Deutschland und Europa selbstbewusst für eigenen Interessen eintreten und gleichzeitig unsere Ideale hochhalten. Dafür müssen wir mit gutem Beispiel voran gehen und unsere Forderungen glaubwürdig und auf Augenhöhe formulieren.

Wir sollten also entschlossen, freundlich, beharrlich und fair für Menschenrechte, Umweltschutz und die Rechte von Minderheiten eintreten.

Was hat das mit dem Klimaschutz zu tun?

Das liegt auf der Hand, wenn wir die globale Perspektive einnehmen. Die Klimakrise können wir nur gemeinsam begrenzen, es braucht weltweite Anstrengungen und kooperatives Handeln.

Wer dagegen auf Konflikte setzt, zerstört unsere Zukunft. Das belegen schon die unfassbaren Geldmengen, die laufend fürs Militär ausgegeben werden. Allein die zehn größten Armeen der Welt besitzen ca. 50.000 Panzer, 30.000 Flugzeuge, 17.000 Nuklearsprengköpfe (Quelle: Global Firepower Index 2016).

Angesichts dieser absurden Zahlen (mehr Militärflugzeuge als zivile Passagier- und Frachtmaschinen!) erkennen wir sofort, dass jeder Abrüstungsvertrag sowohl die Wahrscheinlichkeit des Überlebens der Menschheit erhöhen als auch die völlig sinnlose Verschwendung wertvoller Ressourcen reduzieren würde. Wir können also mit einer Rückkehr zur kooperativen Politik einen entscheidenden Schritt zur Klimarettung beitragen.



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