Grundkonsens, Wahlprogramm, Grundsatzprogramm:

Die Grundlagen unserer Parteiarbeit.

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Grundkonsens der Klimalisten

Unser Handeln basiert auf dem folgenden Grundkonsens:

1. Uns vereinigt die Sorge um das Leben auf unserem Planeten.
Wir agieren dabei unabhängig von bereits bestehenden Parteien und arbeiten explizit generations-​ und gesellschaftsübergreifend an Lösungen für die Klimakrise.

2. Wir sind gegen jede Form der Diskriminierung, soziale Ausgrenzung, Rassismus und Gewalt. Deshalb fördern wir insbesondere strukturell benachteiligte Personen. 

3. Wir heißen Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts, jeder Religion, Hautfarbe, und sexueller Orientierung in unserer Organisation willkommen.

4. Wir erkennen die besondere Verantwortung an, die jüngeren Generationen darin zu unterstützen unsere Gesellschaft und unsere Politik schon heute entscheidend und nach ihren Vorstellungen mitzugestalten.

5. Innerhalb unserer Organisation streben wir flache Hierarchien an.
Macht-​ und Herrschaftsausübung müssen sich immer legitimieren können. Menschen, die Macht ausüben, müssen dies zu jeder Zeit rechtfertigen können.

6. Wir pflegen einen achtsamen und wertschätzenden Umgang miteinander und mit den Menschen, mit denen wir in Kontakt treten.
Das Wohlbefinden aller ist uns wichtig. Wir schaden weder uns noch den Zielen der Organisation und bemühen uns im Falle von Konflikten um eine interne Lösung.

7. Wir nehmen auch an politischen Entscheidungen außerhalb der Themen Klima-​ und Artenschutz teil.
Bei allen Entscheidungen sind wir unserem Gewissen verpflichtet.

8. Wir lehnen jede durch wirtschaftliche Interessen bedingte Einflussnahme auf uns und unsere Organisation ab.

9. Wir sind lernfähig und orientieren uns an wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Wissenschaftler*innen in unserer Organisation tragen eine besondere Verantwortung dafür, uns bei wichtigen Entscheidungen objektiv nach bestem Wissen und Gewissen zu beraten ohne uns zu bevormunden.

10. Wir stützen uns auf Selbstbestimmung.
Alle, die unseren Grundkonsens beherzigen können das Mandat übertragen bekommen, im Auftrag unserer Organisation selbständig zu handeln.

Dieser Grundkonsens entstand in Zusammenarbeit mit der Klimaliste Deutschland.


Wahl-Programm zur Landtags-Wahl 2021 in einfacher Sprache

Vorwort

Wir sind die Klimaliste Baden-Württemberg.
Wir sind eine Partei.

Wenn man das Wetter viele Jahre beobachtet, nennt man das Klima.
Klima-Wandel ist, wenn sich das Klima auf der Erde ändert.
Das Klima wird durch die Menschen wärmer.
Die Klimaliste fordert:
Wir müssen unser Klima schützen.
Wenn sich das Klima zu stark ändert, ist das schlecht
für alle Menschen und die Natur. 

Die Klimaliste findet:
Die heutige Klima-Politik ist schlecht.

Unser Land wird von Menschen geleitet.
Diese Menschen heißen Regierung.

Die Regierung hat zu wenig für das Klima gemacht.
Die Regierung hört zu wenig auf die Wissenschaft.
Die Regierung überhört die jungen Menschen.

Darum machen wir jetzt selber Politik.
Denn wir wollen den Klima-Wandel stoppen. 

Wir wollen „Klima-Gerechtigkeit“.
Das bedeutet, dass es dem Klima und allen Menschen gut geht.
Manchen Menschen geht es schlecht wegen dem Klima-Wandel.
In Deutschland und in anderen reichen Ländern gibt es viele Autos und Industrie.
Diese machen viele Abgase.
Zum Beispiel Kohlenstoff-Dioxid.
Man nennt es auch “CO2”.
Zu viel davon ist schlecht fürs Klima.

Dadurch wird es immer wärmer.
Andere Länder machen nur wenig Abgase.
Doch für diese Länder ist der Klima-Wandel noch schlimmer.
Das ist ungerecht.
Darum müssen wir diesen Ländern helfen.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sagen,
Dass es nur 1,5°C wärmer werden darf.
Wenn es noch wärmer wird, ist das schlecht für die Menschen und die Natur.

*

Unser Wahl-Programm

1. Ziel für Klima-Schutz

Wir wollen:
Das Klima darf nicht mehr wärmer werden.
Firmen stellen viele Sachen her: Autos, Computer, Kleider und vieles mehr.
Dafür brauchen sie zum Beispiel Erdöl, Kohle und Holz.
Wenn man nicht aufpasst, entsteht dabei das Gas CO2.
Es entsteht auch beim Autofahren oder Fliegen und beim Heizen.

Dadurch wird das Klima wärmer.
Das ist schlecht und kostet viel Geld.
Firmen müssen aufpassen, nicht zu viel CO2 herzustellen.
Wer nicht auf das Klima aufpasst, muss mehr Geld bezahlen.
Wer also gut auf das Klima aufpasst, wird belohnt.

Wir wollen:
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sollen die Regierung beraten.

*

2. Strom-Erzeugung

Wir wollen:
Keine Kohle soll mehr in Kohle-Kraftwerken verbrannt werden.
Wenn Kohle verbrannt wird, kommt CO2 in die Luft.
Das führt zum Klima-Wandel.
Darum soll Strom besser gemacht werden
Mit Wind und Sonne.
Damit es auch Strom gibt, wenn es dunkel ist,
Müssen wir den Strom speichern.

*

3. Verkehr

Wir wollen:
Es sollen weniger Autos fahren.
Autos sind nicht gut für das Klima.
Fahrrad fahren ist besser.

Oder Bus fahren und Bahn fahren.
Darum sollen mehr Radwege gebaut werden.
Und Bus fahren und Bahn fahren soll wenig Geld kosten.

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4. Land-Wirtschaft und Ernährung

Wir alle essen Gemüse, Obst und Fleisch.
Das nennt man Lebens-Mittel.
Diese Lebens-Mittel werden von Menschen hergestellt.
Diese Menschen nennt man Land-Wirt oder Land-Wirtin.
Früher nannte man sie auch Bauer oder Bäuerin.
Sie sollen mehr Geld bekommen,
Wenn sie auf das Klima aufpassen und ihre Tiere gut behandeln.

Alle sollen sich gutes Essen leisten können.
Wir müssen weniger Fleisch und Milch und Eier essen.
Und mehr Gemüse und Obst.
Das ist besser für das Klima und unsere Gesundheit.

Die Menschen sollen mehr Essen aus der Region kaufen.
Es darf kein Essen in den Müll kommen.

*

5. Bauen und Heizen

Wir wollen:
Es soll mehr mit Holz gebaut werden.
Am besten mit Holz, das hier wächst.

Wir wollen:
Auch Tieren soll es in unseren Städten gut gehen.
Vögel sollen auch Nester am Haus bauen können.

Es sollen nur klima-freundliche Heizungen gebaut werden.

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6. Soziale Gerechtigkeit

Wir wollen:
Alle Menschen ab 16 Jahren dürfen wählen.

Alle Menschen sollen gut wohnen.
Die Mieten sollen niedrig sein.
Die Regierung soll eine Grenze für Mieten machen.
Alle Menschen müssen gleich und gerecht behandelt werden.
Alle Menschen sind gleich.
Es macht keinen Unterschied,

woher ein Mensch kommt

welche Religion ein Mensch hat

wie ein Mensch aussieht

wie alt ein Mensch ist

ob ein Mensch eine Behinderung hat oder nicht

ob es eine Frau oder ein Mann ist

ob man eine Frau oder einen Mann liebt

Steuern sind Geld.
Dieses Geld zahlt man an den Staat.
Die Steuern werden zum Beispiel verwendet für:

Sozial-Hilfe

für Schulen

für den Bau von Straßen und Wegen

für Löhne der Menschen, die beim Staat arbeiten
zum Beispiel: an Schulen oder bei der Polizei.

Wir wollen:
Reiche Menschen sollen mehr Steuern zahlen.
Menschen mit weniger Geld sollen weniger Steuern zahlen.

Menschen, die flüchten müssen, müssen Hilfe bekommen.

Für alle Menschen muss es Ärzte und Ärztinnen geben.

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7. Umwelt-Schutz und Natur-Schutz

Wir werden die Natur besser schützen.
Der Schutz von Wäldern ist besonders gut für das Klima.
Wälder entfernen das CO2 aus der Luft.
Es sollen keine neuen Straßen durch einen Wald gehen.
Und es werden weniger Gebäude in die Natur gebaut.

Alle Menschen müssen genug sauberes Wasser haben.

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8. Wirtschaft

Wir wollen:
Die Wirtschaft muss an alle Menschen denken.

Wir wollen:

Man kauft nur Dinge, die man wirklich braucht.

Dinge müssen lange halten.

Dann werden weniger Dinge weggeworfen.

Aus Müll werden neue Dinge gemacht.
Das nennt man Recycling.

Es darf kein Müll in der Natur landen.

Alle Dinge sollen gerecht hergestellt werden.
Das bedeutet:

Die Menschen-Rechte müssen eingehalten werden.

Die Menschen sollen genug Geld dafür bekommen.

Die Natur darf nicht zerstört werden.

Die Dinge dürfen nicht von Kindern hergestellt werden.

Unsere Firmen müssen diese Regeln einhalten.

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9. Bildung und Wissenschaft

Wir wollen gute Schulen für alle.
Alle Schüler und Schülerinnen sollen
etwas über den Klima-Wandel lernen.
Es soll ein Schul-Fach dafür gemacht werden.

Wir wollen jungen Menschen helfen.
Zum Beispiel:

Wenn ihre Eltern nicht für sie da sind.

Wenn sie eine Ausbildung machen.

Wenn sie als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin arbeiten.

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10. Rat aus Bürgern und Bürgerinnen

Wir wollen:
Die Menschen sollen zusammen in einem Rat über das Klima reden.
Das bedeutet:
Es werden zufällig Menschen ausgewählt.
Sie sprechen über das Klima.
Dort sollen Ideen zu Gesetzen entstehen.
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen helfen dabei.

Grundsatzprogramm der KlimalisteBW

Auf unserem Gründungsparteitag 2020 haben wir folgendes Grundsatzprogramm beschlossen:

Einleitende Erklärung

Die Klimakrise stellt für die Menschheit und die weltweiten Ökosysteme die größte Bedrohung im 21. Jahrhundert dar.
Führende Klimawissenschaftler*innen warnen uns, dass sich bis 2020 die Erdatmosphäre bereits um 1,2°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter erwärmt hat. Deutschland hat sich 2015 im Klimaschutzabkommen von Paris verpflichtet, die Erderwärmung deutlich unter 2°C, möglichst unter 1,5°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu halten.
Um klimatische Kipppunkte und eine unkontrollierte Erwärmung zu vermeiden, ist konsequentes, sofortiges Handeln notwendig!

Baden-Württemberg hat eine besondere Verantwortung, da es als wohlhabendes Bundesland Vorbildfunktion hat. Als Region des Globalen Nordens wird Baden-Württemberg zeigen, dass die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen möglich und politisch umsetzbar sind.

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Grundlegende Ziele & Mission

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam darauf hinwirken, Baden-Württemberg zu einem sozial-gerechten, 1,5-Grad-konformen Bundesland zu machen. Lokale Bedürfnisse und globale Auswirkungen denken wir stets zusammen. Auch solche Folgen, die zeitlich versetzt auftreten und junge Menschen sowie kommende Generationen belasten. Wir sind davon überzeugt, dass nur eine Politik, die entschieden wissenschaftliche Erkenntnisse respektiert und umsetzt, die drohende Klimakatastrophe verhindern beziehungsweise mindern kann. Deshalb entwickeln wir einen umfassenden Klimaplan auf der Grundlage unseres verbleibenden Treibhausgasbudgets (Treibhausgase werden in Folge als „CO2“ vereinfach dargestellt). Als Partei fühlen wir uns Baden-Württemberg tief verbunden und erkennen gleichzeitig die globale Tragweite der Klimakrise an. Auf allen politischen Ebenen, national und international, setzen wir uns für nachhaltige, klimapositive Lösungen ein.

Ausrichtung an Wohlbefinden und ökologischem Fußabdruck

Baden-Württemberg soll deshalb:

ein klimagerechtes, also ein sozial-gerechtes und klimapositives Bundesland sein.

auf wissenschaftliche Erkenntnisse hören – insbesondere die Folgen unseres Handelns auf Menschen, Ökosysteme und Klima – und sofort handeln, um die drohende Klimakatastrophe zu verhindern.

Wohlbefinden im Einklang mit natürlichen Grenzen schaffen, statt profitorientiertes Wachstum, Überfluss und Verschwendung zu fördern.

die Baden-Württemberger*innen und Kommunen stärken, damit wir diese konsequent klimaverträgliche Transformation gemeinsam gestalten.

Vorbild für ein lebenswertes, resilientes und gesundes Bundesland werden.

Baden-Württemberg richtet sämtliches politisches Handeln am Wohlbefinden aller Lebewesen, inklusive aller Menschen, und an den planetaren Grenzen aus. Dabei werden soziale Gerechtigkeit, die globalen Auswirkungen und die Konsequenzen für zukünftige Generationen berücksichtigt. Hierfür orientiert sich das Land an alternativen Wirtschaftsmodellen, die aufzeigen, wie wir die sozialen Bedürfnisse der Menschen verwirklichen, ohne über unsere Verhältnisse zu leben.

Infolgedessen verbraucht unser Bundesland deutlich weniger Energie und Ressourcen. Wo möglich, wird die Effizienz gesteigert. Es werden Anreize gesetzt, individuellen und wirtschaftlichen Verbrauch zu reflektieren und zu reduzieren. Kreislaufprozesse und Recycling sind die Norm und lösen nicht-nachhaltige Konsummuster ab.

Baden-Württemberg setzt sich für Formen des alternativen Wirtschaftens ein, die nicht auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruhen. Diese sind häufig nicht oder nicht in erster Linie profitorientiert, wie zum Beispiel Genossenschaften, Commons und weitere Arten solidarischen Wirtschaftens.

Das Bundesland entwickelt partizipativ diversifizierte Wohlstandsindikatoren, die das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ablösen. Wirtschaftswachstum spielt darin keine tragende Rolle mehr.

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Saubere Energie für Baden-Württemberg

Der gesamte Baden-Württemberger Energiebedarf deckt sich zu 100% aus erneuerbaren Energien. Diese werden größtenteils regional in Baden-Württemberg gewonnen und gespeichert, insbesondere über Photovoltaik-Anlagen auf Dächern des städtischen und ländlichen Raums und Windparks im ländlichen Raum.

Fossile Energieträger und Energiegewinnung durch Kernspaltung haben im Baden-Württemberger Energiesystem keinen Platz mehr. Die Geschwindigkeit der Dekarbonisierung des Systems richtet sich nach dem verbleibenden CO2-Budget für Baden-Württemberg.

Die Energieversorgung ist zu einem großen Teil dezentral und weitgehend in Bürger*innenhand. Ein Großteil der Gebäude und Kommunen sind energieautark und versorgen sich selbst mit Strom und Wärme.

Effizienzsteigerung und ein bewusster Umgang mit Ressourcen und Energie führen außerdem zu einem insgesamt sinkenden Energieverbrauch in Baden-Württemberg.

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Lebenswertes Wohnen in den Städten und Gemeinden

Mehr und mehr Bestandsgebäude werden in Baden-Württemberg energetisch nach höchsten Standards saniert, ohne dass dies zu Erhöhung der Warmmiete und damit häufig verbundenen Verdrängungseffekten führt. Wohnräume und Gewerbeflächen sind dauerhaft bezahlbar, da sie die Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens bilden. Die Klimabilanz von Neubauten entspricht immer effizienteren Standards, bis sie flächendeckend Null beträgt.

Baden-Württemberger*innen leben in pflanzenreichen Städten und Gemeinden, die so gestaltet sind, dass sie gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität fördern. Vorausschauende Planung schafft vielerorts Wohngebiete der kurzen Wege, die die Notwendigkeit individueller Mobilität reduzieren.

Das Erscheinungsbild vielerorts ist geprägt durch begrünte Gebäude und ausgedehnte Grünflächen, die die Luftqualität verbessern, die Straßen im Sommer kühlen und die Natur zurück in die Städte und Gemeinden holen. Baden-Württembergs Kinder spielen im Grünen direkt vor dem Haus. Überall gibt es dafür ausreichend Platz, da Flächen dank Mobilitätswende und fortschreitender Entsiegelung neu genutzt werden können.

Im ganzen Bundesland gibt es nachbarschaftliche Gärten, die Baden-Württemberger*innen eine lokale Eigenversorgung ermöglichen.

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Ökologische Verkehrspolitik

Unter Beachtung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, richtet Baden-Württemberg seine Verkehrsplanung prioritär auf Radfahrende und zu Fuß Gehende aus. Als klimafreundlichste Verkehrsteilnehmende erhalten sie den größten innerstädtischen Verkehrsflächenanteil, wodurch ihre Verkehrssicherheit erhöht wird.

Ein wachsender Anteil der Innenstädte wird autofrei gestaltet. Freiwerdenden Flächen werden für klimafreundliche und soziale Zwecke umgewidmet.

Der innerstädtische Verkehr in Baden-Württemberg ist komplett CO2-neutral. Das schließt allen Personen- sowie Lieferverkehr ein.

Auch der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist emissionsfrei und für alle Baden-Württemberger*innen zugänglich. Angebot und Kapazität auf Schiene, Straße und Wasser wachsen kontinuierlich.

Die Anbindung der städtischen Randgebiete sowie der Gemeinden im ländlichen Raum untereinander und an die Städte ist durch einen gut getakteten Nahverkehr sowie durch flexible Bedarfsverkehre (Rufbusse, Sharing-Angebote, etc.) sichergestellt.
Alle Sharing- und ÖPNV-Angebote sind über eine Plattform gekoppelt und werden in einer Mobilitäts-Flatrate angeboten. Die Sharing-Mobilität ist vollständig CO2-frei.

Auch der Fernverkehr von und nach Baden-Württemberg funktioniert CO2-frei. Baden-Württemberg ist über das Bahn- und Fernbus-Netz an alle deutschen und europäischen Metropolen mit attraktiver Taktung angebunden. Hierfür fahren unter anderem Nachtzüge von und nach Baden-Württemberg. Flugverkehr mit fossilen Verbrennungsmotoren findet für Strecken innerhalb von Deutschland nicht statt. Ausgenommen ist die Notfallversorgung.

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Bestärkung und Beteiligung

Partizipative und deliberative Prozesse, wie gemeinschaftliche Bürger*innenräte, sind fester Bestandteil unserer modernen Demokratie, um Baden-Württemberg als menschengerechten, inklusiven, klimapositiven Bundesland zum Vorbild zu machen.
Das Land stellt Bewohner*innen, Städten und Gemeinden Ressourcen zur Verfügung, um die klimapositive Transformation proaktiv und nach lokalen Gegebenheiten und Bedürfnissen voranzutreiben.

Dabei legt Baden-Württemberg großen Wert auf Klimagerechtigkeit und schützt und unterstützt diejenigen in besonderem Maße, die schon an anderer Stelle Benachteiligung erfahren.

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Inklusion und Diversität – Bundesland der gelebten Vielfalt

Baden-Württemberg tritt jeder Form von gesellschaftlicher Diskriminierung entschieden entgegen und fördert Diversität und Vielfalt in allen Lebensbereichen. Auftretende Benachteiligungen von Gruppen oder Einzelpersonen aufgrund von Wertvorstellungen und Vorurteilen werden kritisch in der Öffentlichkeit thematisiert und ihnen wird aktiv entgegengewirkt.

Auch mit der Verflechtung verschiedener Formen von Diskriminierung basierend auf (zugeschriebener) Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, sozio-ökonomischem Status oder Behinderung wird sich kritisch auseinandergesetzt.

Die Akzeptanz und der Schutz alternativer, freiheitlicher Lebensentwürfe, Chancengleichheit und Inklusion werden in allen Bereichen machtkritisch und diskriminierungssensibel mitgedacht und unterstützt.

Die Gleichberechtigung und Gleichstellung von FINTA*-Personen (Frauen, Inter-, nicht-binäre, Trans- und Agender-Personen) sowie deren Schutz sind ein besonderes Anliegen für das Land.

Ebenso setzt sich Baden-Württemberg für Barrierefreiheit und den Schutz älterer Menschen und von Menschen mit Beeinträchtigung ein.

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Lernen und Zukunft schaffen

In der jungen Generation sieht Baden-Württemberg den Schlüssel für eine nachhaltig klimapositive Gesellschaft.
Gemeinschaftlich-ökologische Bildungskonzepte zeigen Kindern und Jugendlichen soziale, nachhaltige Alternativen zum Prinzip der wettbewerbsorientierten Leistungsgesellschaft auf. Persönlichkeitsentwicklung, individuelle Förderung sowie ein tiefgehendes Umwelt- und Klimaverständnis stehen dabei im Mittelpunkt.
Das Bundesland legt einen großen Fokus auf Chancengleichheit für alle Bildungswege. Demokratisches und soziales Denken und Handeln werden gefördert und junge Menschen bei der Verarbeitung von Zukunftsängsten unterstützt. Eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Diskriminierung und Privilegien ist Teil des langfristigen und selbstkritischen Lernprozesses.

Langfristige Weiterbildung in allen Altersstufen wird gefördert, um den sich wandelnden Anforderungen der klimapositiven Gesellschaft Rechnung zu tragen und den Zusammenhalt zwischen Jung und Alt zu verbessern.

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Freie Wissenschaft

Baden-Württemberg unterstützt freie Forschung und Wissenschaft, insbesondere in solchen Bereichen, die eine sozial-gerechte Transformation unserer Gesellschaft begünstigen.

Zur Förderung der Unabhängigkeit unserer hiesigen Forschung ist diesen von wirtschaftlichen Zwängen befreit. Beschäftigte im öffentlichen Wissenschaftsbereich sind in Baden-Württemberg wertgeschätzt und werden angemessen entlohnt.

Die Landesregierung, der Landtag, die Gemeinderäte und die Verwaltung werden durch unabhängige Wissenschaftler*innen beraten. Die Umsetzung der energiepolitischen Transformation wird wissenschaftlich begleitet und Daten und Erkenntnisse werden transparent veröffentlicht, damit weitere Regionen davon profitieren können.

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Gesund leben und ernähren

Baden-Württemberg fokussiert sich bei der Nahrungsversorgung auf saisonale Lebensmittel aus nachhaltiger, regionaler Landwirtschaft. Durch Permakultur-Gärten auf Grünflächen, in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und weiteren öffentlichen Einrichtungen tragen die Städte zu einer zukunftsfähigen Lebensmittelproduktion bei.

Zusätzlich richten die Vorteile regional erzeugter Lebensmittel und die Eindämmung von Lebensmittelverschwendung Baden-Württemberg auch in diesem Sektor klimapositiv aus.

Die Schadstoffbelastung unserer Umwelt (Luftverschmutzung, Mikroplastik, Wasser- und Bodenqualität) liegt in Baden-Württemberg unter den WHO-Grenzwerten. Dadurch werden zahlreiche schadstoffbedingte Krankheiten und Todesfälle verhindert.

Baden-Württembergs Gesundheitssystem basiert auf dem Ansatz nachhaltiger Gesundheitsvorsorge und Fürsorge durch wissenschaftlich basierte, ganzheitliche, gender- und geschlechtsspezifische Therapiemaßnahmen. Das Patient*innenwohl und eine Stärkung der Selbstverantwortung haben Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen.

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Nachhaltig regieren und verwalten

Baden-Württembergs Verwaltung hat eine herausragende, bundesweite Vorbildfunktion und agiert vollständig klimapositiv und ressourcenschonend. Klimaschädliche Verordnungen gehören der Vergangenheit an und die Koordinierung von Klimaschutzprozessen läuft an zentraler Stelle zusammen.

Monitoringberichte, insbesondere zu regionalen Emissionen, werden regelmäßig veröffentlicht.

Öffentliche Betriebe orientieren sich an sozialen und ökologischen Standards, statt sich in erster Linie auf Kosteneffizienz und Profite auszurichten. Klimaschädliche Subventionen und Investitionen sind in allen Sektoren inklusive der Wirtschaftsförderung ausgeschlossen. Bei großen öffentlichen Investitionen wird neben einem Umwelt- auch ein Klimagutachten verlangt.

Baden-Württemberg setzt sich in Verhandlungen mit anderen Bundesländern und der Bundesregierung sowie im Bundesrat für eine Bepreisung von Treibhausgasemissionen nach aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen ein. Der Preis muss dabei mindestens so hoch sein, dass die real entstehenden Folgekosten der Freisetzung von Treibhausgasen abgedeckt werden.


Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021

Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021*

Fassung vom 10. Februar 2021

* Dieses Wahlprogramm für die baden-württembergische Landtagswahl am 14. März 2021 wurde in einem basisdemokratischen Verfahren von den Mitgliedern der KlimalisteBW abgestimmt und am Parteitag am 08. März 2021 verabschiedet.

Präambel

Klimakrise ist jetzt. Die KlimalisteBW erkennt die Bedeutung dieser Klimakrise als dringendstes Menschheitsproblem des 21. Jahrhunderts an. Ein schnelles und entschiedenes Handeln ist essentiell, um katastrophale Folgen für die Zivilisation, die Artenvielfalt und die Ökosysteme zu reduzieren. Wir wollen erreichen, dass Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle bei dem zur Lösung der Krise notwendigen Wandel einnimmt.

Die globale Mitteltemperatur hat sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um etwa 1,2 °C erhöht. Mit einer weiteren Erderhitzung steigt das Risiko, Kipppunkte des Klimasystems zu überschreiten, die eine weitere Erwärmung unaufhaltsam auslösen. Daher haben sich fast alle Länder der Welt im Übereinkommen von Paris darauf verständigt, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C zu begrenzen. Die KlimalisteBW verfolgt das ambitionierteste Modell, nach dem die Erderhitzung mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 % auf 1,5 °C begrenzt werden kann. Daraus lässt sich für jedes Land ein Restbudget an CO2 errechnen, welches wiederum auf die jeweilige Bevölkerungszahl umgelegt werden kann. Wir streben auf dieser Grundlage an, dass Baden-Württemberg schnellstmöglich klimaneutral werden soll.

Wir sind überzeugt, dass sich die notwendigen Veränderungen – neben den großen Herausforderungen – auch positiv auf die Lebensqualität der Bürger*innen von Baden-Württemberg auswirken werden. Unsere Luft wird sauberer, unsere Städte grüner und sicherer, die Menschen gesünder. Die Industrie im Bundesland hat das Know-How, um die Technologien, die Anlagen und Prozesse für die Transformation zu entwickeln und zu exportieren und so das gesellschaftliche den Wohlstand zukünftig zu sichern. Die Transformation schafft innovative und nachhaltige Arbeitsplätze.

Die Klimakrise wird einige von uns deutlich härter treffen als andere. Das Ziel der KlimalisteBW ist hierbei ganz klar, Klimagerechtigkeit herzustellen, so weit wie irgend möglich. Dazu gehört auch, dass die politischen Maßnahmen zur Lösung der Klimakrise fair für alle gesellschaftlichen Gruppen umgesetzt werden. Außerdem wollen wir erreichen, dass Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle einnimmt und alle anderen Länder auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützt.

Als Partei orientieren wir uns an der Wissenschaft. Insbesondere bedeutet dies, dass die KlimalisteBW der wissenschaftlichen Mehrheitsmeinung in Fragen einer nachhaltigen Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft folgt.

In diesem Programm für die Landtagswahl 2021 stellen wir unsere Vision für ein klimaneutrales Baden-Württemberg vor. Konsequenter und sozial gerechter Klimaschutz muss Grundlage aller Entscheidungen sein und muss gegenüber anderen Interessen bevorzugt abgewogen werden.


Inhaltsverzeichnis

  • Präambel

  • Unsere Klimaschutzziele

  • Konsequente Energiewende in allen Bereichen

  • Mobilität – wir wollen die Verkehrswende!

  • Nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung

  • Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bauwirtschaft und Heizung

  • Keine Klimagerechtigkeit ohne soziale Gerechtigkeit

  • Klimaschutz durch Umwelt- und Naturschutz

  • Das wirtschaftliche Potential der Klimagerechtigkeit

  • Stärkung von Wissenschaft und Nachhaltigkeitsbildung

  • Bürger*innen-Rat


  • Unsere  Klimaschutzziele

Emissionsbudget

Die KlimalisteBW richtet ihre Politik an der Notwendigkeit aus, dass Baden-Württemberg dem Emissionspfad folgt, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% die Erderwärmung unter 1,5 °C hält. (1)

Die Erreichung von Netto-Null durch den Ausgleich der verbleibenden Emissionen mittels CO2- Rückholungsmaßnahmen (“negative Emissionen”) alleine reicht nicht für die Erreichung des 1,5 °C-Ziels aus, da die Modellrechnungen des Weltklimarates der Vereinten Nationen (IPCC) für unser Ziel über Netto-Null hinaus zusätzliche CO2-Rückholung erfordern.

Damit dieser Umschwung hin zur Lösung des Problems gelingt, möchte die KlimalisteBW (auch über den Bundesrat) die folgenden drei konkreten Hauptmaßnahmen zur Umsetzung bringen.

Klimaabgabe, Rückholprämie und Klimageld

Um eine schnelle Reduktion der Treibhausgase zu erreichen, fordern wir eine wirksame und effektive CO2-Bepreisung mindestens in Höhe der CO2-Klimafolgekosten von etwa 200€ je Tonne CO2-Äquivalent, sei es durch eine CO2-Steuer oder durch einen funktionierenden Zertifikatehandel.

Die Abgabe muss deswegen hoch angesetzt sein, weil die Transformation sehr schnell gelingen muss. Andernfalls riskieren wir, Klima-Kipp-Punkte unwiderruflich zu überschreiten.

Da auch bei ambitioniertester Klimaschutzpolitik die Notwendigkeit zur Rückholung von CO2 besteht, und nicht sofort alle klimaschädlichen Energieträger und Produkte auf klimaneutrale Alternativen umgestellt werden können, wird die tatsächliche Rückholung und Bindung von CO2 durch eine Rückholprämie vergütet.

Sie kann von allen angefragt werden, die nachweislich CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre zurückholen, etwa durch Flächen-Entsiegelung oder Renaturierung von bisher nicht zur menschlichen Ernährung genutzten Flächen, Mooren und Feuchtgebieten.

Hierzu wird eine jährliche Zielmenge festgelegt. Wird diese nicht innerhalb Baden-Württembergs erreicht, werden auch CO2-Rückholungen von außerhalb Baden-Württembergs beauftragt.

Um finanzielle Härten durch höhere Preise auszugleichen, wird ein Klimageld in Höhe des jedem zustehenden CO2-Budgets von 2 t CO2 pro Jahr eingeführt, also derzeit ca. 400€ pro Jahr und Bürger*in. Es wird an alle Einwohner*innen Baden-Württembergs ausbezahlt und aus der Klimaabgabe finanziert.

Übergreifende Maßnahmen auf Landesebene

Das Klimaschutzgesetz des Landes wird überarbeitet und verschärft, und Sanktionen für die Nichteinhaltung definiert. Konkrete Änderungsvorhaben am Klimaschutzgesetz werden in den

(1) Dies entspricht einem verbleibenden CO2-Budget für Deutschland von etwa 1,8 Gt ab dem 01.01.2021 (Intergovernmental Panel on Climate Change. Global Warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty. 2018).

Es wird ein Klimarat in Form eines interdisziplinären wissenschaftlichen Expert*innengremiums eingerichtet, der die Landesregierung kontinuierlich berät und ihre Maßnahmen in Hinblick auf die Einhaltung der Klimaziele überprüft sowie weitere Maßnahmen vorschlägt. Der Klimarat wird regelmäßig zu Ausschussberatungen sowie im Landtag angehört. Neben der wissenschaftlichen Beratung wird ein → Bürger*innenrat eingerichtet.

Alle Förderprogramme des Landes werden auf Verträglichkeit mit der Klimagerechtigkeit geprüft, klimaschädliche Förderungen beendet oder umgestaltet. Bei öffentlichen Beschaffungen und der Haushaltserstellung wird die Kompatibilität mit dem Emissionsbudget Voraussetzung. Klimaschutz wird Q.ierschnittsaufgabe von Politik und Verwaltung. Bis 2022 wird das Land eine Finanzstrategie zur Einhaltung des 1,5°-Ziels unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien erstellen. Die Kreditvergabe durch öffentlich-rechtliche Kreditinstitute bedingt Nachhaltigkeitsaspekte und die Einhaltung der Klimaziele.

Da die Klimaabgabe nur bundesweit eingeführt werden kann, wird in einem ersten Schritt ein analoger CO2-Schattenpreis für die öffentliche Verwaltung sowie landeseigene Unternehmen etabliert.

Das Land unterstützt die Kommunen beim wirksamen Klimaschutz. Wir möchten Klimaschutz zur kommunalen Pflichtaufgabe machen. In den folgenden Programmteilen werden verschiedene Förderungen der Kommunen für klimafreundliche Maßnahmen vorgestellt.

  • Konsequente Energiewende in allen Bereichen

Ende der fossilen Stromerzeugung bis 2025

Die Klimaliste Baden-Württemberg fordert die Abschaltung aller Kohlekraftwerke in Baden- Württemberg bis spätestens Ende 2025.

Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen (HGÜ) „Transnet+“ und „Südlink“ vorraussichtlich fertig gestellt und können genutzt werden, um den Kohlestrom durch Strom aus Windenergieanlagen und Speichern in Norddeutschland und Skandinavien zu substituieren, bis die regionale Energieerzeugung in Baden-Württemberg aus erneuerbaren Energien den Bedarf des Landes decken kann.

Es wir keine neue Infrastruktur zur Stromgewinnung aus fossilen Energieträgern mehr gebaut (ausgenommen z.B. lokale Notstromversorgung). Alle direkten und indirekten Subventionen des Landes für die Nutzung fossiler Energieträger zur Stromerzeugung werden ebenfalls sofort gestoppt. Im Bundesrat werden wir uns für einen bundesweiten Kohleausstieg bis Ende 2025 einsetzen.

Ausbau der erneuerbaren Energien

Um in ganz Deutschland Klimaneutralität bis 2025 unter der Berücksichtigung des erhöhten Stromverbrauchs durch Sektorenkopplung (Versorgungssicherheit) sicher zu erreichen, wird deutschlandweit ein Zubau von mindestens 58 GW Photovoltaik und 35 GW Windenergie pro Jahr benötigt. (2) Baden-Württemberg sollte seinen Anteil hiervon entsprechend seines Beitrags zum Endenergieverbrauch Deutschlands beitragen (2018: etwa 11,5 % 3,4), wobei aufgrund der geografischen Gegebenheiten hier der Anteil der Solarenergie höher und jener der Windenergie entsprechend niedriger ausfallen wird.

Um dies sicherzustellen, soll das Land Planung und Genehmigung von Wind- und Solaranlagen, soweit es in seiner Zuständigkeit liegt, zügig erleichtern, z. B. über landesplanerische Regelungen. Hierbei wird auf effektiven Arten-, Umwelt-, Immissions- und Denkmalschutz Wert gelegt.

Wir werden die Betreiber der Anlagen verpflichten, die Anwohner*innen und die Kommune an der Planung und Umsetzung sowie finanziell an den Erträgen zu beteiligen.

Als eine weitere Maßnahme wird eine Photovoltaik-Pflicht für alle geeigneten Dachflächen von öffentlichen, gewerblichen und privaten Neubauten ab 01.01.2022 implementiert, ebenso bei der Sanierung von Gebäuden. Alternativ zur Eigenbebauung der Dachfläche kann diese auch zur Erfüllung der Pflicht verpachtet werden. Generell wollen wir den Bau privater Solaranlagen vermögens- und einkommensabhängig aus Landesmitteln bezuschussen, sodass die Photovoltaik-Pflicht nicht von Sanierungen abhält, und auch geeignete Bestandsgebäude ausgestattet werden. Dabei muss der Eigenanteil an den Kosten stets höher sein als der Einkaufswert der Module, um Weiterverkauf zu unterbinden. Wir wollen eine Landesstelle als zentralen Ansprechpartner für alle Anliegen bei Bau und Betrieb von Solaranlagen schaffen. Dieser wird kostenlos alle nötigen Anträge, Anmeldungen etc. übernehmen, und damit den bürokratischen Aufwand bei Bau und Betrieb von Solaranlagen deutlich vermindern.


(2) Volker Quaschning, HTW Berlin, 2020.

(3) Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. Entwicklung des Endenergieverbrauchs. 2020. url: https : / / www. statistik-bw.de/Energie/Energiebilanz/LRt1004.jsp (besucht am 23. 01. 2021).

(4) Umweltbundesamt. Energieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren. 2020. url: https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren (besucht am 23. 01. 2021).


Versorgungssicherheit durch Speicher und Sektorenkopplung

Um Versorgungssicherheit bei schwankender Stromproduktion durch erneuerbare Energien sicherzustellen, werden Speichermöglichkeiten und Flexibilitätsoptionen, also eine Anpassung des Stromverbrauchs an die Produktion, benötigt. Durch die Sektorenkopplung werden sowohl Speichermöglichkeiten als auch Flexibilitätsoptionen erschlossen.

Sektorenkopplung meint die Verknüpfung des Stromsektors mit den beiden anderen energieverbrauchenden Sektoren Transport und Wärme. Der Stromsektor ist der einzige dieser drei, bei dem erneuerbare Energien kurzfristig und kosteneffizient konventionelle Energieträger vollständig ersetzen können. In der Erschließung neuer Stromanwendungen für die anderen Bereiche liegt also ein großes Potential zur Treibhausgasreduktion.

Auf die klimafreundliche Umgestaltung der Heizung von Gebäuden wird im Programmteil Nachhaltige Bauwirtschaft eingegangen. Diese Sektorenkopplung muss aktiv durch weitreichende Anreizprogramme für kommerzielle Projekte durchgesetzt werden.

Neben der Sektorenkopplung müssen weitere Speicherkapazitäten (nicht nur Batterie-, sondern auch u.a. Wärme- und Power-to-Gas-Speicher) geschaffen und der Ausbau der Netzinfrastruktur (Strom, Gas, Nah- und Fernwärme) beschleunigt werden. Prozesse der Sektoren Wärme und Transport, insbesondere in der Industrie (Prozessenergie etc.), die nicht energetisch sinnvoll elektrifiziert werden können, müssen auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Die Förderung dieser Umstellungen wird durch die Beendigung der bisherigen Subventionen für fossile Energieträger finanziert.


  • Mobilität – wir wollen die Verkehrswende!

Die KlimalisteBW setzt vorrangig auf Fuß-, Rad- und öffentlichen Personenverkehr, damit alle Menschen in Baden-Württemberg klima- und umweltfreundlich mobil sein können.

Wir fördern den Umweltverbund

Die KlimalisteBW wird eine sofortige Investitionsoffensive des Landes zum Ausbau und der Modernisierung des öffentlichen Personenverkehrs starten. Dazu gehört vor allem die umgehende Beschaffung von zusätzlichen Zügen, Waggons und Bussen, zusätzliches Personal für die Verkehrsbetriebe, die Einrichtung von Busspuren sowie die Aufwertung der Haltestellen und Umstiegspunkte, z. B. durch saubere und sichere Wartebereiche, WLAN und Fahrradboxen. Wir forcieren den Aus- und Neubau von Schienenwegen, die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken sowie die Elektrifizierung bestehender Bahnstrecken. Außerdem setzen wir uns im Bundesrat für einen schnellen Ausbau des Schienennetzes ein. Wir werden ein landesweites 365-€-Jahresticket für alle öffentlichen Nah- und Regionalverkehrsmittel sowie günstige Einzeltickets umsetzen. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden mit dem Deutschlandtakt verbunden und intermodale Konnektivität gefördert.

Außerdem wird die Fahrrad-Infrastruktur in Form von breiten, sicheren und ganzjährig befahrbaren Radwegen und Radschnellwegen ausgebaut. Bis 2025 sollen mindestens 25 weitere Radschnellwege mit vordringlichem Bedarf in Betrieb gehen. Die Kommunen werden bei der Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur, u.a. der Einrichtung von Fahrradzonen und unterbrechungsfreien Radwegenetzen, finanziell sowie durch Bürokratieabbau und Beratung unterstützt.

Wir wollen Städte und Gemeinden für Menschen statt für Autos

Unser städtebauliches Leitbild ist die „Stadt der kurzen Wege“, in der Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten in räumlicher Nähe angeboten werden und deshalb die Nutzung von Autos weitgehend überflüssig ist (Soziale Gerechtigkeit). Durch die hohe Aufenthaltsqualität laden solche Städte dazu ein, auch einen großen Teil der Freizeit dort zur Erholung zu verbringen und helfen damit, Reiseverkehr zu reduzieren.

Durch eine Innenstadt-Maut, den Rückbau von innerörtlichen Parkplätzen und die Umverteilung des Straßenraums zugunsten von ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr werden Städte und Gemeinden menschenfreundlicher. Tempo 30 innerorts wird die Lebensqualität und Sicherheit v.a. der Anwohner*innen und der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer*innen stark verbessern. Dadurch wird auch der Einzelhandel vor Ort gestärkt, da die Aufenthaltsqualität maßgeblich gesteigert wird. Die durch die Landesbauordnung geforderte Mindestzahl an KfZ-Stellpätzen wird abgeschafft. Außerdem werden wir uns im Bund für die Ausweitung der Rechte und die Stärkung des Schutzes von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen sowie für eine erhöhte Sorgfaltspflicht der Kraftfahrer*innen in der Straßenverkehrs-Ordnung einsetzen.

Unter den bestehenden politischen Rahmenbedingungen sind viele Menschen im ländlichen Raum auf einen eigenen PKW angewiesen – ob sie das möchten oder nicht. Diese Bedingungen wollen wir ändern. Unser Ziel ist, dass bis 2025 jede Haltestelle im ländlichen Raum im Halbstundentakt mit öffentlichem Verkehr angefahren wird (von 5 Uhr morgens bis Mitternacht; am Wochenende auch in der Nacht). Je nach Bedarf sollen dafür auch Kleinbusse oder per Handy buchbare Sammeltaxis eingesetzt werden. Wir werden Bus- und Bahnhaltestellen auf dem Land flächendeckend ausbauen sowie strategische, Umsteige- und Endhaltestellen mit Taxiständen und Leihautos/-fahrrädern ausstatten.

Keine Steuergelder für klimaschädliche Verkehrsmittel

Wir werden die steuerliche Bezuschussung des mit fossilen Brennstoffen angetriebenen Verkehrs beenden – das Geld soll stattdessen in die Bahn-, Bus- und Radinfrastruktur fließen. Dazu werden wir in Baden-Württemberg ein Ende der Subventionierung von kommunalen Straßenbauprojekten zur Schaffung von innerstädtischen Parkplätzen umsetzen und die Beteiligung des Landes an Neu- und Ausbau von Straßen beenden. Innerdeutsche Flüge von allen Flughäfen im Land werden genauso wie Landessubventionen für die Regionalflughäfen abgeschafft. Mit uns gibt es keine neuen Start- oder Landebahnen. Um den Flugverkehr an seinen gesellschaftlichen Kosten zu beteiligen, werden wir uns für deutliche Erhöhungen der Start- und Landegebühren einsetzen.

Wir ermutigen Kommunen und Landkreise, vielgenutzte Gewerbegebiete mit einem voll funk- tionstüchtigen Gleisanschluss auszustatten.

Im Bundesrat wollen wir uns für das Ende der kostspieligen Subventionierung des Autoverkehrs durch Dienstwagenprivileg sowie Diesel- und Hybridsubventionen einsetzen. Die Entfernungspauschale muss nach ökologischen Gesichtspunkten novelliert werden. Kaufprämien für LKW, wie im Bund beschlossen, lehnen wir ab.

Zusätzlich zu den direkten Subventionen aus Steuergeldern verursacht der Straßenverkehr externe Kosten von über 140 Mrd. Euro (Unfälle, Klimakosten, Natur- und Landschaftsschäden, Luftschadstoffe und Lärmkosten).(5) Wir setzen uns im Bund dafür ein, dass diese Kosten von den Verursacher*innen übernommen werden.

Einnahmen aus der Klimaabgabe werden darüber hinaus auch für den Ausbau von Bahn und Elektromobilität eingesetzt. Über den Bundesrat setzen wir uns außerdem für ein generelles Tempolimit von maximal 120 km/h auf Autobahnen (100 km/h bei Nässe und für 3,5-Tonner), 70 km/h auf Landstraßen und 40 bzw. 30 km/h innerorts ein (bei LKW jeweils 80 km/h, 60 km/h und 40 bzw. 30 km/h). Zur Einhaltung dieser Tempolimits sind höhere Bußgelder und bessere Überwachung durch eine Verstärkung der Verkehrspolizei unerlässlich, denn ansonsten bringen Tempolimits keine spürbaren Verbesserungen.

Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen wir den verbleibenden motorisierten Individual-Verkehr auf batterieelektrische Antriebe umstellen, solange sich keine vergleichbare Alternative anbietet. Das Land leistet seinen Beitrag, indem Schnellladesäulen flächendeckend ausgebaut werden. Die für den Ausbau des ÖPNV anzuschaffenden Busse sind mit nachhaltigen Antriebsmethoden ausgestattet.

Und schließlich kämpfen wir dafür, dass die Neuzulassung von PKW mit Hybrid- und Verbren- nungsantrieb in Deutschland deutlich vor 2025 eingestellt wird (ausgenommen sind Einsatz- und Rettungsfahrzeuge).

(5) Cuno Bieler und Daniel Sutter. Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland. Straßen-, Schienen-, Luft- und Binnenschiffverkehr 2017. Zürich, 2019. url: https://www.infras.ch/media/filer_public/b0/c9/b0c9923c- 199c- 4642- a235- 9e2440f0046a/190822_externe_kosten_verkehr_2017.pdf (besucht am 23. 01. 2021).


  • Nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung

Die deutsche Landwirtschaft leidet schon jetzt enorm unter der Klimakrise. Aufgrund der Methanemissionen durch die landwirtschaftlich gehaltenen Tiere, den von Düngemitteleinsatz und Entwässerungen verursachten Treibhausgasemissionen aus Mooren und Feuchtgebieten sowie durch die humusabbauende Feldbewirtschaftung zählt sie mit ca. 11 % der bundesweiten Emissionen selbst zu den größten Verursachern der Klimakrise (6), (7). Das wollen wir ändern.

Nachhaltige Landwirtschaft

Wir setzen eine konsequente Förderpolitik zur Umstellung auf nachhaltige und gemeinwohl- orientierte Landwirtschaft und Landnutzung unter Gewährleistung des Wohlbefindens der landwirtschaftlich gehaltenen Tiere sowie unter enorm verringertem Düngemittel- und Pestizideinsatz durch. Nur durch rigorosen Verzicht auf Düngemitteleinsatz in Quellbereichen, Mooren, Feuchtgebieten und für die Biodiversität unerlässlichen Flächen lassen sich Grund- und Quellwasserqualität entscheidend verbessern, die Trinkwasserversorgung sicherstellen, die Biodiversität der offenen Landschaft erhalten und die Treibhausgas-Emissionen der Feuchtgebiete reduzieren. Der Einsatz von Pestiziden muss aus den vorgenannten Gründen in der gesamten offenen Landschaft eingestellt werden.

Um die damit verbundenen Belastungen zu reduzieren und mehr Ackerfläche für den regionalen Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln zur Verfügung zu stellen, soll der Anteil der für die landwirtschaftliche Tierhaltung und den Futtermittelanbau genutzten Ackerflächen ebenso wie die Anzahl landwirtschaftlich gehaltenen Tiere um mindestens 90% reduziert werden, z. B. durch reduzierte Nachzucht und den weiter unten beschriebenen → Ernährungswandel.

Wir entwickeln die Landwirtschaft weiter und testen Ideen wie die Kultivierung von Algen im Vertical Gardening oder auf urbanen Flächen (8) zur Nahrungsmittelproduktion und CO2-Bindung. Das Land unterstützt Einrichtung und Betrieb von Agri-Photovoltaik, und zwar durch Beratung, durch Forschung, durch Informationskampagnen und durch direkte finanzielle Förderung.

Wir erleichtern die Umstellung wenig rentabler Betriebe (z. B. umsatzschwache Kleinbetriebe) auf alternative Vertriebswege bzw. Betriebsarten (z. B. solidarische Landwirtschaft, Permakulturgärten) sowie von Betrieben aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung auf die Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel durch finanzielle Förderung und Beratung.

Der Humusaufbau auf allen landwirtschaftlichen Flächen sowie die Regeneration von Mooren und Feuchtgebieten werden mit einer CO2-Rückholprämie gefördert (siehe Programmteile Klimaziele und Umweltschutz). So kann innerhalb weniger Jahre eine Treibhausgasneutralität der Landwirtschaft und Flächennutzung erreicht werden und anschließend sogar mehr

CO2 im Boden gebunden werden, als die Landwirtschaft emittiert.

(6) Umweltbundesamt. Emissionen der Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft. 2020. url: https : / / www.umweltbundesamt . de / daten / klima / treibhausgas - emissionen - in - deutschland / emissionen - der - landnutzung - aenderung#bedeutung-von-landnutzung-und-forstwirtschaft (besucht am 23. 01. 2021).

(7) Umweltbundesamt. Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen. 2020. url: https : / / www.umweltbundesamt.de/daten/land- forstwirtschaft/beitrag- der- landwirtschaft- zu- den- treibhausgas#treibhausgas- emissionen-aus-der-landwirtschaft (besucht am 23. 01. 2021).

(8) Ghada Mohammad Elrayies. „Microalgae: Prospects for greener future buildings“. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 81 (Jan. 2018), S. 1175–1191. doi: 10.1016/j.rser.2017.08.032. url: https://doi.org/10.1016/j.rser.2017.08. 032.


Tierschutz

Die Tierhaltung wird zukünftig durch personell und finanziell gestärkte Veterinärämter effektiv kontrolliert. Fließband- und Akkordschlachtungen werden sukzessive abgeschafft und von weniger industriellen Methoden abgelöst. Verbleibende landwirtschaftlich gehaltene Tiere können auch nach dem Vorbild von Lebenshöfen oder auf Lebenshöfen gehalten werden.

Ein weiteres Ziel besteht darin, die Zucht und Haltung von Tieren so zu gestalten, dass der Einsatz von Antibiotika nur in therapeutischen Einzelfällen notwendig ist; dies dient der Verhinderung von Antibiotika-Resistenzen und Zoonosen. Wir streben für tierische Lebensmittel eine Kennzeichnung an, die volle Transparenz hinsichtlich der Haltungsformen schafft. Verpflichtend müssen zudem bei jedem Verkauf sowie bei der Bewerbung tierischer Produkte Informationen über die Bedingungen bei der Zucht, Haltung und Schlachtung vorhanden sein.


Ernährung

Der Wandel zu einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Landwirtschaft kann nur Hand in Hand mit einer Ernährungswende gelingen.

Aktuell trägt die Produktion und der Transport von Ernährungsgütern (Lebensmittel, Tierfutter etc.) mit rund 1.100 kg CO2-Äquivalenten pro Person pro Jahr einen entscheidenden Teil zu den Treibhausgasemissionen Deutschlands bei. 9 Die Klimaliste Baden-Württemberg setzt sich für einen Wandel der vorherrschenden Ernährungsmuster hin zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung ein.

Dieser Wandel stützt sich dabei auf drei Säulen:

Leitbild pflanzliche Ernährung

Ein vollständiger Ersatz tierischer Nahrungsmittel durch gleichwertige pflanzliche Nahrungsmittel würde die weltweiten Treibhausgasemissionen um ein Viertel senken. (10, 11) Pflanzliche Lebensmittel sind ressourcenschonender sowie klima- und umweltfreundlicher (12, 13). Daher setzen wir uns für pflanzliche Ernährung nicht nur aus ethischen Gründen des Tierschutzes ein, sondern auch aufgrund des besonders großen Klimaschutz-Potentials und der Schonung der natürlichen Ressourcen durch diese Ernährungsform. Neben einer Erhöhung der Preise tierischer Produkte durch eine CO2-Bepreisung (Klimaschutzziele) werden wir uns im Bundesrat für eine Mehrwertsteuersenkung für pflanzliche Nahrungsmittel und die Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte einsetzen.

(9) Vilma Sandström u. a. „The role of trade in the greenhouse gas footprints of EU diets“. In: Global Food Security 19 (Dez. 2018), S. 48–55. doi: 10.1016/j.gfs.2018.08.007. url: https://doi.org/10.1016/j.gfs.2018.08.007, Fig. 2 & 3.

(10) „Erratum for the Research Article “Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers” by J. Poore and T. Nemecek“. In: Science 363.6429 (Feb. 2019), eaaw9908. doi: 10.1126/science.aaw9908. url: https://doi.org/10.1126/science.aaw9908.

(11) Vilma Sandström u. a. „The role of trade in the greenhouse gas footprints of EU diets“. In: Global Food Security 19 (Dez. 2018), S. 48–55. doi: 10.1016/j.gfs.2018.08.007. url: https://doi.org/10.1016/j.gfs.2018.08.007, Fig. 2 & 3.

(12) Vilma Sandström u. a. „The role of trade in the greenhouse gas footprints of EU diets“. In: Global Food Security 19 (Dez. 2018), S. 48–55. doi: 10.1016/j.gfs.2018.08.007. url: https://doi.org/10.1016/j.gfs.2018.08.007.

(13) J. Poore und T. Nemecek. „Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers“. In: Science 360.6392 (Mai 2018), S. 987–992. doi: 10.1126/science.aaq0216. url: https://doi.org/10.1126/science.aaq0216.


Moderne Ernährungsleitlinien umsetzen und gesundes und klimaschonendes Essen leicht verfügbar machen

Wir werden moderne Ernährungsleitlinien auf Grundlage der aktuellen Ernährungs-, Umwelt, und Klimawissenschaft entwickeln. Dabei werden, wie beispielsweise in der Planetary Health Diet (14) die Aspekte Gesundheit und Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die abgeleitete Ernährungsweise besteht größtenteils aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen.

In allen öffentlichen Kantinen, inklusive Krankenhäusern und Reha-Kliniken, müssen alle angebotenen Gerichte sowie das Gesamtangebot an Lebensmitteln diesen Ernährungsleitlinien entsprechen. Zudem muss stets mindestens ein preiswertes, gesundes und besonders klimafreundliches Gericht – frei von tierischen Produkten – angeboten werden. Private gastronomische Betriebe können eine Zertifizierung für ein den Leitlinien entsprechendes Angebot beantragen und dafür staatliche Vergütung erhalten.

Außerdem sollen alle Lebensmittel und Gerichte hinsichtlich der zentralen Nachhaltigkeitsindikatoren (insbesondere Treibhausgasemissionen, Landbedarf, Nährstoffkreisläufe) gekennzeichnet werden. Im Bund wird sich die KlimalisteBW für diese Kennzeichnung auch im Lebensmitteleinzelhandel und der privaten Gastronomie einsetzen.

Im öffentlichen Raum wird Trinkwasser kostenlos bereitgestellt.

Lebensmittelverschwendung muss reduziert werden

Wir setzen uns für eine Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in allen Bereichen ein. Wir verpflichten öffentliche Einrichtungen wie z. B. Kantinen, die anfallenden, nicht mehr verkaufbaren, aber noch genießbaren Lebensmittel an die Tafeln oder andere sogenannte „Foodsharing“-Einrichtungen zu spenden.

Auf Bundesebene setzen wir uns für eine Gesetzgebung ein, die den Lebensmitteleinzelhandel verpflichtet, übrige Lebensmittel ebenso zur Weiterverwertung freizugeben, analog zu bereits bestehenden Gesetzen in anderen europäischen Ländern. (15, 16)

Die gewerbliche Entsorgung von ungenießbaren Lebensmitteln erfolgt ausschließlich durch Kompostierung und damit Nutzbarmachung in der Landwirtschaft.


(14) Walter Willett u. a. „Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems“. In: The Lancet 393.10170 (Feb. 2019), S. 447–492. doi: 10 . 1016 / s0140 - 6736(18 ) 31788 - 4. url: https ://doi.org/10.1016/s0140-6736(18)31788-4.

(15) Republique Française. LOI n° 2016-138 du 11 février 2016 relative à la lutte contre le gaspillage alimentaire. 2016. url: https://www.legifrance.gouv.fr/jorf/id/JORFTEXT000032036289?r=cVP2MudJfh (besucht am 23. 01. 2021).

(16) Gazetta Ufficiale della Republica Italiana. Disposizioni concernenti la donazione e la distribuzione di prodotti alimentari e farmaceutici a fini di solidarieta’ sociale e per la limitazione degli sprechi. 2016. url: https://www.gazzettaufficiale. it/eli/id/2016/08/30/16G00179/sg (besucht am 23. 01. 2021).


  • Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bauwirtschaft und Heizung

Klimaneutrales Wohnen muss für alle zur Selbstverständlichkeit werden, und um die Klimaziele zu erreichen, müssen die Gebäude im Land bis spätestens 2030 klimaneutral sein. Dies muss durch die vollständige Umstellung der Wärmeerzeugung auf erneuerbare Energien (Sektorenkopplung) und eine umfassende energetische Sanierung geschehen. Dafür wird in einem Klimaschutzfahrplan die notwendige Sanierungsquote festgelegt.

Für alle existierenden Gebäude muss ein zu einem Klimaausweis erweiterter Energieausweis ausgestellt werden; neue Gebäude müssen den Plusenergiehaus-Standard erfüllen.

Durch eine öffentliche Förderung wird die Umstellung fossiler Heizungen auf nachhaltige Wärmeerzeugung wie z. B. Wärmepumpen, grüne Nah- und Fernwärme und Solarthermie finanziert, ohne Mieten zu erhöhen oder Eigentümer*innen übermäßig zu belasten. Bei Sanierungen und Eigentümer*innen-Wechsel muss die Wärmeerzeugung auf erneuerbare Energien umgestellt werden, hierfür müssen Fördermittel des Landes bereitgestellt werden. Jegliche Subventionierung für fossile Heizungen wird beendet.

Bis spätestens 2023 wird der Einbau von Heizungen für fossile Brennstoffe ordnungsrechtlich unterbunden. Außerdem sorgt die von uns geplante CO2-Bepreisung (Klimaschutzziele) dafür, dass das Heizen mit erneuerbaren Energien kostengünstiger wird als die Nutzung fossiler Brennstoffe.

Mit der digital gesteuerten und kombinierten Nutzung von verschiedenen Energiequellen wie Solarthermie, Bioenergie, Geothermie, Wärmepumpen, industrielle Abwärme (auch Rechenzentren) und Flusswasserwärme werden die jeweils lokal sinnvoll verfügbaren Energiepotenziale eingebunden.

Öffentliche Gebäude haben Vorbildcharakter und werden schnellstmöglich energetisch saniert und mittels erneuerbarer Energien beheizt. Das Heizen mit Holz aus nachhaltiger, regionaler Waldwirtschaft sehen wir als Übergangstechnologie an. Für Holzheizungen wird die Einhaltung der Grenzwerte nach dem „Blauen Engel“ Voraussetzung für den Betrieb.

Um die Neubauqoute im Land möglichst niedrig zu halten, fördern wir Projekte im Bereich Wohnungstausch sowie den Umzug in kleinere Wohnungen. Der Ausbau bzw. die Umnutzung bestehender (Wohn)gebäude für Wohnraum wird staatlich gefördert. Leerstände von Wohnungen sind gesetzlich zu unterbinden. Beim Neubau wird die von uns im Bundesrat unterstützte CO2-Bepreisung (Klimaschutzziele) Anreize für die Verwendung klimafreundlicher Baustoffe schaffen, da im Preis die Graue Energie berücksichtigt wird. Insbesondere der Rohstoff Holz aus heimischen Wäldern soll gefördert werden, damit der darin enthaltene Kohlenstoff für lange Zeit der Atmosphäre entzogen wird und damit klimaschädliche Baustoffe, wie Beton, ersetzt werden. Weiterhin wird ein Ressourcenausweis eingeführt. Ab sofort müssen alle Bauprojekte des Landes klimapositiv und kreislauffähig sein und sollen die Biodiversität fördern.

Unser städtebauliches Leitbild ist die „Stadt der kurzen Wege“ in Form von Quartieren, in der Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten in räumlicher Nähe angeboten werden. Das Land fördert Bauprojekte, die unsere Städte in dieser Art umgestalten.

Die Städte leiden schon jetzt unter den Folgen der Erderwärmung. Um die Resilienz der Städte zu verbessern, wird das Land Klimaanpassungskonzepte für die Städte verpflichtend machen und gemeinsam mit ihnen entwickeln.

  • Keine Klimagerechtigkeit ohne soziale Gerechtigkeit

Wir streben eine Gesellschaft an, in der alle Menschen gleichberechtigt am sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben teilhaben können, und sich in einem weltoffenen und inklusiven Land verwirklichen. Eine wesentliche Grundlage dafür bildet die gerechte Verteilung von Ressourcen und Leistungen unter Beachtung der planetaren Grenzen. Solidarische Formen des Wirtschaftens sollen gefördert und gefestigt werden. Eine erfolgreiche Sozialpolitik muss dabei potentielle und vorübergehende Belastungen durch die Klimakrise auffangen und die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen als Entwicklungschance hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit nutzen – in Baden-Württemberg, in Deutschland und global.

Wahlrecht ab 16 Jahren

Wir setzen uns für ein Mindestwahlalter von 16 Jahren für zukünftige Landtags- und Kommunalwahlen in Baden-Württemberg ein. Jetzt und in den kommenden Jahren müssen Entscheidungen getroffen werden, die die Zukunft der jungen Menschen dieses Landes für viele Jahrzehnte richtungsweisend bestimmen. Junge Menschen haben ihren politischen Gestaltungswillen gezeigt und müssen gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Entscheidungen teilhaben dürfen – ein Schritt zu mehr Generationengerechtigkeit.

Besser wohnen und leben

Konkret wird sich die KlimalisteBW dafür einsetzen, dass bezahlbare Wohnungen für alle zur Verfügung stehen. Dazu braucht es massive Investitionen in den öffentlichen Wohnungsbestand u.a. durch eine eigene Wohnungsbaugesellschaft des Landes sowie eine verbesserte Preisregulierung des privaten Mietmarkts – notfalls auch durch einen Mietendeckel. Dadurch haben Menschen die Möglichkeit, in der Nähe ihres Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes zu leben oder sich in der eigenen Wohnung ein Homeoffice einzurichten und hierdurch gesundheits- und klimaschädliche Pendelwege zu verkürzen. Dies ist ohne zusätzliche Flächenversiegelung möglich (→ Umweltschutz).

Kinder sollten die finanzielle oder berufliche Situation von Eltern nicht verschlechtern. Kinderarmut muss bekämpft werden und die finanzielle Versorgung für Familien sichergestellt werden. Unterbrechungen in Erwerbsbiografien, immer noch meist von Frauen, dürfen sich nicht nachteilig auf die berufliche Karriere auswirken. Die KlimalisteBW legt einen großen Fokus auf Chancengleichheit in allen Bildungswegen. Wir wollen die Jugendämter personell und finanziell besser ausstatten.

Diversität ist Stärke

Wir von der KlimalisteBW erkennen die Wirkung struktureller und intersektionaler Benachteiligung an. Strukturelle Ungerechtigkeiten in Baden-Württemberg müssen in allen Institutionen konsequent beobachtet, aufgearbeitet und aufgehoben werden. Baden-Württemberg und seine Institutionen müssen jeglichen Formen der Diskriminierung beispielsweise aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, tatsächlicher oder zugeschriebener Herkunft, äußerem Erscheinungsbild, Religion, Weltanschauung, politischer Überzeugung, sozio-ökonomischem Status, Alter und Behinderung entschlossen und selbstkritisch entgegentreten. Nur über eine Anerkennung und Bekämpfung der komplexen Wirkungsweisen von Benachteiligungen wie Diskriminierung und Armut kann echte Teilhabe-, Chancen-, Bildungs-, Generationen- und Gesundheitsgerechtigkeit erreicht werden.

Die KlimalisteBW sieht Diversität ausdrücklich als Stärke. Baden-Württemberg soll ein Land sein, in dem Menschen mit verschiedenen Identitäten und Hintergründen friedlich zusammenleben und dessen Vielfalt die breite Grundlage für eine resiliente und solidarische Gesellschaft bildet. Daher unterstützt die KlimalisteBW die Forderungen des Netzwerks LSBTTIQ Baden- Württemberg (Netzwerk-LSBTTIQ 2015) und wird für deren Umsetzungen eintreten. Auch die Unterstützung und Förderung der freien Kulturszene sehen wir als elementare Aufgabe in der Gestaltung eines offenen und diversen Landes.

Geburt, Abtreibung & Frauenhäuser

Unsere Grundüberzeugung verlangt ein Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihren eigenen Körper. Dazu zählt das Recht auf eine selbstbestimmte und interventionsarme Geburt ebenso wie das Recht auf Abtreibung. Die aktuellen rechtlichen Normen zur straffreien Abtreibung dürfen nicht beschnitten werden. Die KlimalisteBW setzt sich dafür ein, dass Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen bzw. müssen auch die Möglichkeit hierzu bekommen. Es muss gewährleistet sein, dass Frauen vor Ort Hilfe finden, frei von Stigmatisierung und finanziellem Druck. Zum Schutz von Frauen und Kindern als am meisten von innerfamiliärer Gewalt Betroffene müssen Frauenhäuser finanziell sicher aufgestellt werden. Eine langfristige und verlässliche finanzielle Ausstattung ist zwingend erforderlich.

Gesundheit & Pflegeberufe – Klatschen reicht nicht!

Die Folgen der Klimakrise werden die Belastung des Gesundheitssystems weiter erhöhen. Für die KlimalisteBW ist Gesundheit keine Ware, sondern ein Recht – darum werden wir uns gegen die weitere Privatisierung des Gesundheitssystems einsetzen. Die KlimalisteBW fordert eine angemessene Entlohnung von Arbeitenden in sozialen Berufen, in Pflege und Betreuung, entsprechend ihrer hohen Verantwortung für das Leben.

Der Personalmangel in den sozialen Berufen muss durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen bekämpft werden (z. B. durch Senkung der Patientenzahl pro Betreuungskraft, Entlastung der Hebammen beim Versicherungsschutz).

Gerechteres Steuersystem

Weniger wohlhabende Menschen werden von den Folgen der Klimakrise stärker getroffen. Unser Ziel ist, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter öffnet, sondern verringert. Auf Bundesebene setzt sich die KlimalisteBW daher für eine gerechtere Ausgestaltung der Ein- kommenssteuer ein. Wir wollen niedrige und mittlere Einkommen entlasten, indem wir uns im Bundesrat für eine Erhöhung des Grundfreibetrags und die Absenkung der Eingangssteuersätze stark machen. Im Gegenzug sollen hohe Einkommen und Vermögen stärker belastet werden. Durch höhere Spitzensteuersätze sowie die Wiedererhebung der Vermögenssteuer ist die aufkommensneutrale Entlastung der unteren Einkommen möglich. Um die Mehrbelastung durch die CO2-Bepreisung auszugleichen, wird ein Klimageld eingeführt (→ Klimaschutzziele).

Ein gewisser Anteil struktureller Arbeitslosigkeit ist in einem dynamischen Arbeitsmarkt unvermeidlich, da es vor allem durch den technologischen Wandel laufend zu einem Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage von Arbeitsplätzen kommt. Die KlimalisteBW setzt sich ein für eine deutliche Erhöhung des ALG II-Regelsatzes und eine Abschaffung der damit verbundenen Sanktionen. Entscheidend sind dabei die Zukunftsfähigkeit der gesamtwirtschaftlichen Produktion und das individuelle Wohlbefinden der Betroffenen, das durch eine angemessene soziale Absicherung unterstützt werden muss.

Flucht

Die KlimalisteBW setzt sich dafür ein, die Situation von fliehenden und geflüchteten Menschen zu verbessern. Katastrophale Zustände wie in Auffanglagern des europäischen Südens können durch eine schnelle, dezentrale Verteilung mittelfristig verhindert werden. Wir fordern, dass Länder auch ohne Zustimmung des BMIs Landesaufnahmeprogramme bestimmen können. Durch eine dezentrale Unterbringung soll Geflüchteten möglichst schnell gesellschaftliche Teilhabe angeboten werden: Sofortige Sprachkurse, Weiterbildungsangebote und Arbeitserlaubnisse sowie psychologische und medizinische Versorgung sind hier zwingend geboten. Kinder sollten sofort in das Schulsystem aufgenommen werden. Wir von der KlimalisteBW stehen für eine Anerkennung der Klimakrise als Fluchtgrund ein.

Gerechtigkeit zwischen Stadt & Land

Auch in Baden-Württemberg existieren noch maßgebliche Unterschiede in der Grundversorgung von Stadt und Land. Ärztliche Versorgung, die Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen, eine hohe klimaneutrale und barrierefreie Mobilität, gut erreichbare Einkaufsmöglichkeiten sowie schneller und stabiler Zugriff auf Internet und Mobilfunk müssen auch im ländlichen Raum gegeben sein.

Globale Klimagerechtigkeit

Auf globaler Ebene muss Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle in der globalen Zusammenarbeit gegen ausbeuterische Produktionsverhältnisse einnehmen. Die KlimalisteBW setzt sich daher für ein Lieferkettengesetz ein (Wirtschaft). Faires Wirtschaften darf kein Nachteil im globalen Wettbewerb sein. Gemäß seiner besonderen Verantwortung als wohlhabendes Land mit hohen Emissionen wird Baden-Württemberg wirksam die Regionen und Menschen unterstützen, die bereits unter den Folgen der Klimakrise leiden und sie auf Wunsch in ihrer nachhaltigen Transformation begleiten.

Klimaschutz durch Umwelt- und Naturschutz

Die klimatischen Veränderungen der Klimakrise bestehen in Baden-Württemberg in erster Linie aus einer starken Erhöhung der sommerlichen Temperaturen, einer Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter sowie hin zu Wetterextremen wie z. B. Starkregenereignisse. Die sommerliche Kombination von Trockenheit und Hitze führt zu einer starken Verschlechterung der Luftqualität, mangelnder Grund- und Trinkwasserbildung, Einbußen in der Landwirtschaft und Rückgängen der typischen Tier- und Pflanzenarten der Moore, Nasswiesen, Sümpfe und Quellen. Ungeachtet dessen ist die Hauptursache des dramatischen Verlusts der Artenvielfalt die intensive industrielle Landwirtschaft.

Einhaltung der internationalen Artenschutzabkommen

Baden-Württemberg muss internationale Abkommen zum Schutz der Natur Baden-Württembergs sofort einhalten. Die Naturschutzstrategie muss für die Jahre 2020-2030 fortgeschrieben werden. Dabei ist der Fokus auf die Kernthemen naturverträgliche Land- und Forstwirtschaft, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, Vernetzung von Lebensräumen und auch Bodenschutz zu legen. Das Monitoring im Rahmen des Sonderprogramms zur Biodiversität ist als dauerhafte Aufgabe zu etablieren und muss in den normalen Naturschutzhaushalt integriert werden.

Speicherung von CO2

Um den in den nächsten Jahren noch anfallenden Ausstoß von Treibhausgasen zu kompensieren, müssen die Kohlenstoff-Speicher in Wäldern, Mooren und landwirtschaftlicher Nutzflächen aufgefüllt werden. Wir setzen uns für Anerkennung und Schutz der verschiedenen (besonders auch der nicht monetären) Ökosystemdienstleistungen des Waldes ein. Wir fördern eine naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft als Grundlage natürlicher und regionaler Ressourcen. Beginnend mit dem Staatswald wollen wir nicht standortgerechte Forste zu genetisch diversen, klimatoleranten und resilienten Waldsysteme umgestalten. Dabei sollen vor allem einheimische (Laub-)Baumarten einbezogen werden.

Neben anderen Waldnaturschutzmaßnahmen (z. B. Schutz seltener Waldgesellschaften) setzen wir uns für Prozessschutzflächen und Bannwälder ein, in denen sich natürliche Sukzessionen, Dynamiken und Strukturen entwickeln können. Dies wird hauptsächlich über den Staats- und Körperschaftswald umgesetzt, jedoch auch in privaten Wäldern gefördert.

Um Lebensräume, die durch die europäische FFH-Richtlinie geschützt sind, zu regenerieren, sind Überflutungsflächen auszuweiten und Moore und Feuchtgebiete wiederzuvernässen. Dadurch wird einerseits die laufende Zersetzung von Torf und Humus und damit die Freisetzung von CO2, Methan und Lachgas gestoppt und andererseits kann ein neues Wachstum der Moore und Feuchtgebiete mit erhöhter CO2-Speicherung einsetzen. Die Maßnahmen dazu orientieren sich an Beschaffenheit und Mächtigkeit der verschiedenen Moorstandorte und werden an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasst.

Flächenversiegelung und Ende der Zerschneidung von Ökosystemen

Die Versiegelung von Flächen zerstört natürliche CO2-Senken und trägt zu einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur bei. Daher wollen wir die Neuversiegelung von Flächen in der Summe beenden. Dazu setzen wir eine verbindliche Formulierung der Ziele der Raumordnung und Landesplanung zur Reduzierung des Flächenverbrauchs und zum Freiraumschutz gegenüber den Kommunen um.

Mögliche Zerschneidungswirkungen sind bei allen Verkehrsplanungen frühzeitig zu berücksichtigen und die Zerschneidung durch geeignete Maßnahmen von vorne herein zu umgehen. Die bereits identifizierten erforderlichen Querungshilfen (z. B. Wildbrücken) sind zügig umzusetzen.

Zudem wird die Ökokonto-Verordnung grundsätzlich neuausgerichtet und ihr Anwendungsbereich auch auf die Bauleitplanung ausgeweitet.

Wasserqualität , Trinkwassergewinnung & Bildung von Wasserreserven

Trinkwassergewinnung aus Tiefbrunnen und Grundwasser soll so weit zurückgenommen werden, dass keine Biodiversitätskonflikte mehr vorhanden sind. Die so fehlenden Trinkwassermengen können ganzjährig durch Regenwasser und Entnahme im Winter aus sauberen Ober- flächengewässer ausreichend ersetzt werden. Durch die sich dann laufend verbessernde Grund- und Quellwasserqualität wird die Regeneration der Quellen und Feuchtgebiete weiter unterstützt (siehe Programmteil Landwirtschaft). Damit ist auch in den durch die Klimakrise bedingten sommerlichen Trockenperioden eine ausreichende Trinkwasserversorgung mit Grundwasser in den Tallagen sichergestellt. Für alle Wohn- und Gewerbegebäude wird in der Bauordnung je nach Dachgröße eine Regentonne oder Zisterne zwingend vorgeschrieben. Der Überlauf, auch für größere Regenrückhaltebecken, sollte auf unversiegeltes Gelände führen.

Biodiversität in der Stadt

Städte sind zwar grundsätzlich kein natürlicher Lebensraum für Tiere und Pflanzen, haben sich jedoch in den letzten Jahren zu wichtigen Rückzugsräumen entwickelt (17). Bei Begrünung von Fassaden und Dächern in Städten wird ergänzend zu den kommunalen Förderlinien ein Förderprogramm des Landes aufgelegt, mit dem Ziel, Fassaden und Dächer mit einer hohen Artenvielfalt heimischer Flora zu begrünen. Zudem sollen geeignete Nisthilfen und Brutkästen für Vögel und Fledermäuse an öffentlichen Gebäuden angebracht werden, und für private Gebäude durch das Land gefördert werden. Denn die für die Klimaschutzziele notwendige energetische Gebäudesanierung darf nicht zu Lasten des Artenschutzes gehen.

Ein großes und bisher wenig beachtetes Problem für den Artenschutz, insbesondere Insekten, und auch den Menschen stellt zudem die Lichtverschmutzung in der Nacht dar (18). Wir setzen uns durch Unterstützung bei der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf insektenfreundliche Anlagen und durch Erweiterung des Beleuchtungsverbotes von Fassaden auf nichtöffentliche Bauten gegen Lichtverschmutzung ein.


(17) Peter Werner und Rudolf Zahner. Biologische Vielfalt und Städte. Bonn Bad Godesberg, 2009. url: https://www. bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript245.pdf (besucht am 27. 02. 2021).

(18) Marita Böttcher. Auswirkungen von Fremdlicht auf die Fauna im Rahmen von Eingriffen in Natur und Landschaft. Bonn Bad Godesberg, 2001. url: https://d-nb.info/964099632/04 (besucht am 27. 02. 2021).


  • Das wirtschaftliche Potential der Klimagerechtigkeit

Wir streben ein ökonomisches Denken an, das als Kernziel die langfristigen Ziele der Menschheit hat. Zwischen dem gesellschaftlichem Fundament des Wohlergehens und der ökologischen Decke des planetaren Drucks liegt der sichere und gerechte Raum für die Menschheit, den es anzustreben gilt, da er per Definition günstig für das Klima ist.

Für ein zukunftsfähiges Wirtschaften sind verschiedene Maßnahmen notwendig, die je unterschiedliche Zeitintensitäten haben und von je unterschiedlicher Dauer sind. Langfristige sowie kurzfristige Maßnahmen dienen gleichermaßen dazu, die akute Bedrohung der Erderhitzung über 1,5 Grad zu mindern. Dies wird ein Prozess über mehrere Generationen sein, muss aber bereits heute entschlossen beginnen: Durch Maßnahmen wie die CO2-Bepreisung, die Einführung der Kreislaufwirtschaft, Etablierung von Suffizienzstrategien bzw. nachhaltigen Konsummustern, Klimaschutz und -gerechtigkeit in den zentralen Wirtschaftssektoren Energie, Industrie, Verkehr, Gebäudewärme und Landwirtschaft, Ausbau unerschöpflicher Energiegewinnung etc. Aufgabe einer klimagerechten Wirtschaftspolitik ist es, ein Wirtschaftssytem in den Grenzen des planetaren Systems zu gestalten. Das bedeutet auch, sich sukzessive und planvoll von dem Wachstumszwang zu verabschieden, der unserem jetzigen Wirtschaftssystem eingeschrieben ist. Zudem streben wir Klimaneutralität privatwirtschaftlicher und landeseige- ner Unternehmen bis 2025 an.

Klimagerechtigkeit hat im Pariser Klimaabkommen von 2015 kaum Einzug gefunden. Der KlimalisteBW ist es daher wichtig, die Klimagerechtigkeit auch in der Art des menschlichen Wirtschaftens in den Blick zu nehmen und hier vor allem neokolonialistische Verhaltensweisen einzustellen.

Ein wesentlicher Ansatz ist zudem ein grundsätzliches Verständnis für die Notwendigkeit einer Neuausrichtung der Wirtschaft hin zu einem care-zentrierten Wirtschaften. Die Pflege und Reparatur von Schäden an unseren Lebensgrundlagen, die bereits entstanden sind, sind in die wirtschaftliche Gesamtrechnung mit einzubeziehen. Care im Sinne global verstandener Fürsorge meint nicht nur die Sorge und das Versorgt-Sein von Menschen, sondern schließt auch die Sorge um unseren verletzlichen und bereits massiv beschädigten Lebensraum Erde und aller anderen Mitbewohner*innen ein. Ein so verstandener Care-Sektor muss stark ausgebaut werden.

Wir wollen die Wirtschaft so gestalten, dass sie den Menschen und dem Leben - also dem Gemeinwohl – dient. Ziel ist die Befriedigung der Bedürfnisse aller, innerhalb der Grenzen des Planeten. Die Aufgabe des Staates ist es, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass dieses Ziel das Optimierungskriterium der Wirtschaft ist. Das Land Baden-Württemberg nimmt eine Vorbildfunktion ein, indem landeseigene Unternehmen zum Beispiel eine Gemeinwohlbilanz aufstellen.

Die Energiewende birgt enormes Potential vor allem für mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg, in der Energiewirtschaft, im Maschinen- und Anlagenbau, und in weiteren Hochtechnologiesektoren weltweit führende Positonen einzunehmen („hidden champions“).

In einer sich schnell wandelnden Wirtschaftswelt kommt Disruption überwiegend aus kleinen Start-ups. Diese beschleunigen den notwendigen Strukturwandel und brechen Vormachtstellungen auf. Das Land muss dafür sorgen, dass Start-ups gute Bedingungen vorfinden. Wir streben eine besondere finanzielle Förderung von gemeinwohlorientieren Start-ups, etwa im Bereich der nachhaltigen Mobilität oder im Bereich Social Entrepreneurship, an. Die Privatisierung von Betrieben der Grundversorgung (v.a. Wasser, Strom) sowie von Infrastruktur darf nicht weiter vorangetrieben werden.

Grundsätzlich müssen Materialkreisläufe geschlossen und der Material- und Energieverbrauch reduziert werden. Durch konsequente Wiederverwendung von Rohstoffen und eine längere Nutzungsdauer von Gütern im Allgemeinen kann der CO2-Ausstoß deutlich reduziert werden. Um diese Einsparung zu realisieren und die Verschwendung von Rohstoffen zu reduzieren, will die KlimalisteBW eine deutliche Verringerung der Stoffströme hin zu einer Kreislaufwirtschaft erreichen.

Die Landesregierung schafft die Voraussetzungen dafür durch entsprechende Änderungen im Abfallrecht und fördert landesweite, kommunale und private Initiativen zur Abfallvermeidung, wie z. B. Second-Hand-Kaufhäuser, Reparatur-Cafés, Foodsharing oder Verleihsysteme.

Die Landesregierung setzt sich für die Gewinnung von Rohstoffen aus Deponien und Kläranlagen ein. Recycling ist ein maßgeblicher Faktor für das Erreichen einer nachhaltigeren Gesellschaft, da die Menge an Abfall, die auf den Deponien landet, reduziert wird und somit natürliche Rohstoffe geschont werden. Ziel ist es, die baden-württembergische Rohstoffversorgung sicherzustellen und gleichzeitig ökologische, soziale und ökonomische Belange zu berücksichtigen. Das Land erarbeitet einen substanziellen Beitrag zum Abfallvermeidungsprogramm des Bundes und setzt sich für eine erweiterte Herstellerverantwortung und ein Recht auf Reparatur ein.

Die Landesbehörden und alle öffentlichen Unternehmen sowie große und mittelgroße Privatunternehmen werden verpflichtet, jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht (Erweiterung der CSR-RL) zu erstellen, um die Transparenz über ökologische und soziale Aspekte von Unternehmen zu erhöhen und Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen sowie die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung sicherzustellen.

Suffizienz zielt auf einen geringeren Verbrauch von Ressourcen durch eine verringerte Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, soweit letztere Material und Energie verbrauchen. Ziel ist, dass die immateriellen Werte des Lebens besser verstanden und höher geschätzt und knappe Ressourcen so sparsam wie möglich eingesetzt werden, um auf lange Zeit lebensnotwendige Produktionen zu gewährleisten. Die Beschaffungsrichtlinien des Landes werden nicht nur in Hinblick auf Nachhaltigkeit, sondern auch auf Suffizienz überarbeitet. Privatwirtschaftliche Unternehmen werden bei Bemühungen zur Suffizienz unterstützt.

Die KlimalisteBW fordert ein Lieferkettengesetz, durch das Produkte, die unter Achtung der Menschenrechte sowie mit niedriger CO2-Emission hergestellt und transportiert werden, effektiv begünstigt werden. Handelsbeziehungen müssen insgesamt fairer gestaltet werden. Für die Einrichtungen des Landes fordern wir die Beachtung dieser Kriterien bei Beschaffung und Ausschreibungen.

Durch den flächendeckenden Ausbau der digitalen Infrastruktur können wir die Treibhausgasemissionen senken, indem wir die flexible Gestaltung von Arbeitszeit und -ort und eine Ansiedlung von zukunftsfähigen Unternehmen vor allem im ländlichen Raum unterstützen und damit den Wandel zu einer sozial gerechten Gesellschaft voranbringen.

Lobbyismus in der Form, wie er aktuell als Einflussnahme seitens Wirtschaftsakteur*innen gegenüber der Legislative und Exekutive praktiziert wird, berücksichtigt Klimaziele unzureichend. Daher setzen wir uns dafür ein, Lobbyismus transparent zu machen. Hierzu werden wir ein verpflichtendes Lobbyregister einführen, das den lobbyistischen Fußabdruck in Gesetzesentwürfen sichtbar macht.

Stärkung von Wissenschaft und Nachhaltigkeitsbildung

Übergeordnetes Ziel unseres Bildungswesens muss es sein, Kinder, Jugendliche und Erwachsene dabei zu fördern, reflektiert handelnde, nachhaltigkeitsbewusste, selbstständige, verantwortungsbewusste und verantwortungsbewusst handelnde Menschen zu werden, zu sein und sich als solche weiterzuentwickeln. Mit einer grundlegenden qualitativen und strukturellen Weiterentwicklung unseres Bildungssystems streben wir eine Modernisierung der im 19. Jahrhundert entstandenen Strukturen der Schule an, wollen mit der Entwicklung einer neuen Lernkultur die Förderung individueller Interessen, Stärken und Ziele sowie den Ausgleich von sozio-ökonomischen Ungleichheiten und individuellen Schwächen erreichen und die individuelle Chancenzuweisung durch das Bildungssystems reformieren. Das Bildungssystem soll insgesamt leistungsfähiger werden.

  • Bildung für Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit

Um der Bedeutung der Klimakrise für unsere Gegenwart und Zukunft gerecht zu werden, legt Baden-Württemberg mit sofortiger Wirkung seinen bildungspolitischen Fokus auf die Klimakrise und deren Lösungsansätze, technische wie gesellschaftliche. In allen Schularten sowie Hochschulen soll künftig Pflichtunterricht zur Klimakrise stattfinden. Die Inhalte dieser Unterrichtsfächer basieren auf verschiedenen Fachbereichen der Klimawissenschaften (wie z. B. Prozesse des Klimasystems, CO2-Budget etc.) sowie der Ernährungsbildung und orientieren sich dabei an der BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung). (19) Dabei nehmen Schulen und Lehrkräfte eine Vorbildrolle ein.

Ein Schlüssel hierzu ist gemeinsames, gesundes und ökologisch wertvolles Mittagessen in Schulen und Kindertagesstätten. Um jede*n Schüler*in unabhängig von dessen sozialem Hintergrund zu erreichen, ist das Angebot von kostenlosen Mittagessen notwendig.

Um die Qualität des Unterrichts insgesamt zu stärken ist die Einführung einer Obergrenze von 20 Schüler*innen als maximaler Klassenteiler in allen Schulformen und eine Deputatsreduktion von 20% für alle Lehrkräfte des Landes vorgesehen. Der neue maximale Klassenteiler führt zu einer deutlich besseren Betreuungsrelation im Unterricht. Hiervon profitieren die Schüler*innen, da eine stärkere Differenzierung und individuelle Betreuung im Unterricht ermöglicht wird. Die Deputatsreduktion soll der Überlastung von Lehrkräften entgegenwirken und so die Qualität des Unterrichts insgesamt fördern.

Zwecks extracurricularer Etablierung des Themenkomplexes „Nachhaltigkeit“ werden den Schulen in ausreichendem Umfang zweckgebundene Poolstunden zur Verfügung gestellt.

Bildung in Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit ist nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt. Das Land setzt sich dafür ein, dass die Absolvent*innen der baden-württembergischen Hochschulen auf ihre gesellschaftliche Verantwortung vorbereitet werden und wird die Studienordnungen entsprechend weiterentwickeln.

Für die Transformation zur Klimaneutralität ist eine Vielzahl von Fachkräften erforderlich. Das Land startet eine Ausbildungsoffensive, insbesondere im Bausektor, damit für die Sanierung des Gebäudebestands ausreichend Fachpersonal zur Verfügung steht. Um- und Weiterbildung werden gefördert.

(19) Bundesministerium für Bildung und Forschung. Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung. url: https://www.bmbf.de/files/Nationaler_Aktionsplan_Bildung_f%C3%BCr_nachhaltige_Entwicklung.pdf (besucht am 23. 01. 2021).


  • Förderung der Wissenschaft und Forschung

Um zukunftsorientierte Politik auf Basis der Wissenschaft zu betreiben, sind die Unabhängigkeit und Förderung der Forschung und Lehre unabdingbar.

Die Hochschulen des Landes sollen Spitzenpositionen in der Forschung zu Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit einnehmen. Dafür müssen die Hochschulen des Landes mit entsprechenden personellen, unabhängigen finanziellen und materiellen Mitteln ausgestattet sein und unbürokratisch Forschung betreiben können. Vornehmlich jüngere Wissenschaftler*innen werden durch Befristung und Bürokratie in ihrer wissenschaftlichen Karriere behindert. Wir setzen uns für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ein.

  • Bürger*innen-Rat

Wir werden einen Bürger*innen-Rat zur Erarbeitung von Lösungen der Klimakrise auf Landesebene einberufen und uns im Bundesrat für eine Einberufung auf Bundesebene einsetzen.

Ähnlich wie beim bereits 2019 von der Bundesregierung durchgeführten „Bürgerrat Demokratie“ sollen die teilnehmenden Personen des Bürger*innen-Rats zur Lösung der Klimakrise so ausgelost werden, dass ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung abgebildet wird. Bei der repräsentativen Auswahl werden zahlreiche individuelle Faktoren berücksichtigt, unter anderem das Alter, die soziale Herkunft, die Geschlechtsidentität, das Einkommensniveau und viele weitere. Dadurch sollen Vertreter*innen möglichst aller gesellschaftlichen Gruppen mitwirken können, um zu sozial gerechteren Lösungen zu gelangen.

Diese Bürger*innen erarbeiten dann über einige Wochen Gesetzesvorschläge zur Lösung der Klimakrise.

Dabei werden sie von Wissenschaftler*innen beraten, die jedoch nicht an den Diskussionen und Abstimmungen teilnehmen, nur stets für Rückfragen bereit stehen. Die Wissenschaftler*innen dürfen und sollen unterschiedlichen Fachrichtungen angehören und möglichst sachlich und neutral beraten. Um das Vertrauen der des Bürger*innenrats in die Unabhängigkeit der Wissenschaftler*innen zu stärken, sollen diese vollständig offenlegen, wer bisher ihre Forschung finanziert hat. Weiterhin sollen zu einem bestimmten Thema jeweils mehrere Wissenschaftler*innen unabhängig und einzeln befragt werden.

Die vom Bürger*innen-Rat erarbeiteten Vorschläge müssen genügen, um das Treibhausgas-Budget einzuhalten. Sie müssen im Land- bzw. Bundestag öffentlich debattiert werden.


Literatur

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. Entwicklung des Endenergieverbrauchs. 2020. url: https : / / www. statistik - bw. de / Energie / Energiebilanz / LRt1004 . jsp (besucht am 23. 01. 2021).

  2. Cuno Bieler und Daniel Sutter. Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland. Straßen-, Schienen-, Luft- und Binnenschiffverkehr 2017. Zürich, 2019. url: https : / / www. infras . ch/media/filer_public/b0/c9/b0c9923c-199c-4642-a235-9e2440f0046a/190822_externe_ kosten_verkehr_2017.pdf (besucht am 23. 01. 2021).

  3. Bundesministerium für Bildung und Forschung. Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung. url: https://www.bmbf.de/files/Nationaler_Aktionsplan_Bildung_ f%C3%BCr_nachhaltige_Entwicklung.pdf (besucht am 23. 01. 2021).

  4. Marita Böttcher. Auswirkungen von Fremdlicht auf die Fauna im Rahmen von Eingriffen in Natur und Landschaft. Bonn Bad Godesberg, 2001. url: https://d-nb.info/964099632/04 (besucht am 27. 02. 2021).

  5. Intergovernmental Panel on Climate Change. Global Warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty. 2018.

  6. Ghada Mohammad Elrayies. „Microalgae: Prospects for greener future buildings“. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 81 (Jan. 2018), S. 1175–1191. doi: 10.1016/j. rser.2017.08.032. url: https://doi.org/10.1016/j.rser.2017.08.032.

  7. „Erratum for the Research Article “Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers” by J. Poore and T. Nemecek“. In: Science 363.6429 (Feb. 2019), eaaw9908. doi: 10.1126/science.aaw9908. url: https://doi.org/10.1126/science.aaw9908.

  8. Republique Française. LOI n° 2016-138 du 11 février 2016 relative à la lutte contre le gaspillage alimentaire. 2016. url: https://www.legifrance.gouv.fr/jorf/id/JORFTEXT000032036289? r=cVP2MudJfh (besucht am 23. 01. 2021).

  9. J. Poore und T. Nemecek. „Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers“. In: Science 360.6392 (Mai 2018), S. 987–992. doi: 10 . 1126 / science . aaq0216. url: https://doi.org/10.1126/science.aaq0216.

  10. Gazetta Ufficiale della Republica Italiana. Disposizioni concernenti la donazione e la distribuzione di prodotti alimentari e farmaceutici a fini di solidarieta’ sociale e per la limitazione degli sprechi. 2016. url: https://www.gazzettaufficiale.it/eli/id/2016/08/30/16G00179/sg (besucht am 23. 01. 2021).

  11. Vilma Sandström u. a. „The role of trade in the greenhouse gas footprints of EU diets“. In: Global Food Security 19 (Dez. 2018), S. 48–55. doi: 10.1016/j.gfs.2018.08.007. url: https://doi.org/10.1016/j.gfs.2018.08.007.

  12. Umweltbundesamt. Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen. 2020. url: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft- zu- den- treibhausgas#treibhausgas- emissionen- aus- der- landwirtschaft (besucht am 23. 01. 2021).

  13. Umweltbundesamt. Emissionen der Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft. 2020. url: https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas- emissionen- in- deutschland/emissionen-der-landnutzung-aenderung#bedeutung-von-landnutzung- und-forstwirtschaft (besucht am 23. 01. 2021).

  14. Umweltbundesamt. Energieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren. 2020. url: https:

    //www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern- sektoren (besucht am 23. 01. 2021).

  15. Peter Werner und Rudolf Zahner. Biologische Vielfalt und Städte. Bonn Bad Godesberg, 2009. url: https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript245. pdf (besucht am 27. 02. 2021).

  16. Walter Willett u. a. „Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems“. In: The Lancet 393.10170 (Feb. 2019), S. 447–492. doi: 10.1016/s0140-6736(18)31788-4. url: https://doi.org/10.1016/s0140-6736(18)31788-4.