Konsequente Energiewende in allen Bereichen

Ende der fossilen Stromerzeugung bis 2025

Die Klimaliste Baden-Württemberg fordert die Abschaltung aller Kohlekraftwerke in Baden-Württemberg bis spätestens Ende 2025.

Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen (HGÜ) „Transnet+“ und „Südlink“ vorraussichtlich fertiggestellt und können genutzt werden, um den Kohlestrom durch Strom aus Windenergieanlagen und Speichern in Norddeutschland und Skandinavien zu substituieren, bis die regionale Energieerzeugung in Baden-Württemberg aus erneuerbaren Energien den Bedarf des Landes decken kann.

Es wird keine neue Infrastruktur zur Stromgewinnung aus fossilen Energieträgern mehr gebaut (ausgenommen z. B. lokale Notstromversorgung). Alle direkten und indirekten Subventionen des Landes für die Nutzung fossiler Energieträger zur Stromerzeugung werden ebenfalls sofort gestoppt. Im Bundesrat werden wir uns für einen bundesweiten Kohleausstieg bis Ende 2025 einsetzen.

Ausbau der erneuerbaren Energien

Um in ganz Deutschland Klimaneutralität bis 2025 unter der Berücksichtigung des erhöhten Stromverbrauchs durch Sektorenkopplung (Versorgungssicherheit) sicher zu erreichen, wird deutschlandweit ein Zubau von mindestens 58 Gigawatt Photovoltaik und 35 Gigawatt Windenergie pro Jahr benötigt [1]. Baden-Württemberg sollte seinen Anteil hiervon entsprechend seines Beitrags zum Endenergieverbrauch Deutschlands beitragen (2018: etwa 11,5 % [2] [3]). Aufgrund der geografischen Gegebenheiten wird hier der Anteil der Solarenergie höher und jener der Windenergie entsprechend niedriger ausfallen.

Um dies sicherzustellen, soll das Land Planung und Genehmigung von Wind- und Solaranlagen, soweit es in seiner Zuständigkeit liegt, zügig erleichtern, z. B. über landesplanerische Regelungen. Hierbei wird auf effektiven Arten-, Umwelt-, Immissions- und Denkmalschutz Wert gelegt.
Wir werden die Betreiber*innen der Anlagen verpflichten, die Anwohner*innen und die Kommune an der Planung und Umsetzung sowie finanziell an den Erträgen zu beteiligen.

Als eine weitere Maßnahme wird eine Photovoltaik-Pflicht für alle geeigneten Dachflächen von öffentlichen, gewerblichen und privaten Neubauten ab 01.01.2022 implementiert, ebenso bei der Sanierung von Gebäuden. Alternativ zur Eigenbebauung der Dachfläche kann diese auch zur Erfüllung der Pflicht verpachtet werden. Generell wollen wir den Bau privater Solaranlagen vermögens- und einkommensabhängig aus Landesmitteln bezuschussen, sodass die Photovoltaik-Pflicht nicht von Sanierungen abhält und auch geeignete Bestandsgebäude ausgestattet werden. Dabei muss der Eigenanteil an den Kosten stets höher sein als der Einkaufswert der Module, um Weiterverkauf zu unterbinden. Wir wollen eine Landesstelle als zentralen Ansprechpartner für alle Anliegen bei Bau und Betrieb von Solaranlagen schaffen. Dieser wird kostenlos alle nötigen Anträge, Anmeldungen sowie weitere schriftliche Erfordernisse übernehmen und damit den bürokratischen Aufwand bei Bau und Betrieb von Solaranlagen deutlich vermindern.

Versorgungssicherheit durch Speicher und Sektorenkopplung

Um Versorgungssicherheit bei schwankender Stromproduktion durch erneuerbare Energien sicherzustellen, werden Speichermöglichkeiten und Flexibilitätsoptionen, also eine Anpassung des Stromverbrauchs an die Produktion, benötigt. Durch die Sektorenkopplung werden sowohl Speichermöglichkeiten als auch Flexibilitätsoptionen erschlossen.

Sektorenkopplung meint die Verknüpfung des Stromsektors mit den beiden anderen energieverbrauchenden Sektoren Transport und Wärme. Der Stromsektor ist der einzige dieser drei, bei dem erneuerbare Energien kurzfristig und kosteneffizient konventionelle Energieträger vollständig ersetzen können. In der Erschließung neuer Stromanwendungen für die anderen Bereiche liegt also ein großes Potential zur Treibhausgasreduktion.

Auf die klimafreundliche Umgestaltung der Heizung von Gebäuden wird im Programmteil Nachhaltige Bauwirtschaft eingegangen. Diese Sektorenkopplung muss aktiv durch weitreichende Anreizprogramme für kommerzielle Projekte durchgesetzt werden.

Neben der Sektorenkopplung müssen weitere Speicherkapazitäten (nicht nur Batterie-, sondern auch unter anderem Wärme- und Power-to-Gas-Speicher) geschaffen und der Ausbau der Netzinfrastruktur (Strom, Gas, Nah- und Fernwärme) beschleunigt werden. Prozesse der Sektoren Wärme und Transport, insbesondere in der Industrie (Prozessenergie etc.), die nicht energetisch sinnvoll elektrifiziert werden können, müssen auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Die Förderung dieser Umstellungen wird durch die Beendigung der bisherigen Subventionen für fossile Energieträger finanziert.

Nächstes Kapitel: Mobilität – wir wollen die Verkehrswende!
Die KlimalisteBW setzt vorrangig auf Fuß-, Rad- und öffentlichen Personenverkehr, damit alle Menschen in Baden-Württemberg klima- und umweltfreundlich mobil sein...

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Literatur
[1] Volker Quaschning, HTW Berlin, 2020. z. B. #rC3​ - Nach der Coronakrise ist mitten in der Klimakrise
[2] Statistisches Landesamt Baden-Würtemberg. Entwicklung des Endenergieverbrauchs. 2020. https://www.statistik-bw.de/Energie/Energiebilanz/LRt1004.jsp
[3] Umweltbundesamt. Energieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren. 2020. https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren