Gesunde Ernährung

Der Wandel zu einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Landwirtschaft kann nur Hand in Hand mit einer Ernährungswende gelingen. Aktuell trägt die Produktion und der Transport von Ernährungsgütern (Lebensmittel, Tierfutter etc.) mit rund 1100 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Person pro Jahr einen entscheidenden Teil zu den Treibhausgasemissionen Deutschlands bei. Die Klimaliste Baden-Württemberg setzt sich für einen Wandel der vorherrschenden Ernährungsmuster hin zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung ein. Dieser Wandel stützt sich dabei auf drei Säulen:

Leitbild pflanzliche Ernährung

Ein vollständiger Ersatz tierischer Nahrungsmittel durch gleichwertige pflanzliche Nahrungsmittel würde die weltweiten Treibhausgasemissionen um ein Viertel senken [1] [2]. Pflanzliche Lebensmittel sind ressourcenschonender sowie klima- und umweltfreundlicher [2] [3]. Daher setzen wir uns für pflanzliche Ernährung nicht nur aus ethischen Gründen des Tierschutzes ein, sondern auch aufgrund des besonders großen Klimaschutz-Potentials und der Schonung der natürlichen Ressourcen durch diese Ernährungsform. Neben einer Erhöhung der Preise tierischer Produkte durch eine CO2-Bepreisung (Klimaschutzziele) werden wir uns im Bundesrat für eine Mehrwertsteuersenkung für pflanzliche Nahrungsmittel und die Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte einsetzen.

Moderne Ernährungsleitlinien umsetzen und gesundes und klimaschonendes Essen leicht verfügbar machen

Wir werden moderne Ernährungsleitlinien auf Grundlage der aktuellen Ernährungs-, Umwelt-, und Klimawissenschaft entwickeln. Dabei werden, wie beispielsweise in der Planetary Health Diet [4], die Aspekte Gesundheit und Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die abgeleitete Ernährungsweise besteht größtenteils aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen.

In allen öffentlichen Kantinen, inklusive Krankenhäusern und Reha-Kliniken, müssen alle angebotenen Gerichte sowie das Gesamtangebot an Lebensmitteln diesen Ernährungsleitlinien entsprechen. Zudem muss stets mindestens ein preiswertes, gesundes und besonders klimafreundliches Gericht – frei von tierischen Produkten – angeboten werden. Private gastronomische Betriebe können eine Zertifizierung für ein den Leitlinien entsprechendes Angebot beantragen und dafür staatliche Vergütung erhalten.

Außerdem sollen alle Lebensmittel und Gerichte hinsichtlich der zentralen Nachhaltigkeitsindikatoren (insbesondere Treibhausgasemissionen, Landbedarf, Nährstoffkreisläufe) gekennzeichnet werden. Im Bundesrat wird sich die KlimalisteBW für diese Kennzeichnung auch im Lebensmitteleinzelhandel und der privaten Gastronomie einsetzen.

Im öffentlichen Raum wird Trinkwasser kostenlos bereitgestellt.

Lebensmittelverschwendung muss reduziert werden

Wir setzen uns für eine Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in allen Bereichen ein. Wir verpflichten öffentliche Einrichtungen wie z. B. Kantinen, die anfallenden, nicht mehr verkaufbaren, aber noch genießbaren Lebensmittel an die Tafeln oder an andere sogenannte „Foodsharing“-Einrichtungen zu spenden.

Auf Bundesebene setzen wir uns für eine Gesetzgebung ein, die den Lebensmitteleinzelhandel verpflichtet, übrige Lebensmittel ebenso zur Weiterverwertung freizugeben, analog zu bereits bestehenden Gesetzen in anderen europäischen Ländern [5] [6].

Die gewerbliche Entsorgung von ungenießbaren Lebensmitteln erfolgt ausschließlich durch Kompostierung und damit Nutzbarmachung in der Landwirtschaft.

Nächstes Kapitel: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bauwirtschaft und Heizung
Klimaneutrales Wohnen
Klimaneutrales Wohnen muss für alle zur Selbstverständlichkeit werden und um die Klimaziele zu erreichen, müssen die Gebäude im Land bis spätestens 2030 klimaneutral...

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Literatur
[1] J. Poore und T. Nemecek. Erratum for the Research Article “Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers” by J. Poore and T. Nemecek. In: Science 363.6429. 2019. https://doi.org/10.1126/science.aaw9908
[2] Vilma Sandström u. a. The role of trade in the greenhouse gas footprints of EU diets. In: Global Food Security 19, S. 48–55. 2018. https://doi.org/10.1016/j.gfs.2018.08.007
[3] J. Poore und T. Nemecek. Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. In: Science 360.6392. 2018. https://doi.org/10.1126/science.aaq0216
[4] Walter Willett u. a. Food. Planet. Health. Healthy Diets From Sustainable Food Systems. Summary Report of the EAT-Lancet commission. 2019. https://eatforum.org/content/uploads/2019/07/EAT-Lancet_Commission_Summary_Report.pdf
[5] Republique Française. LOI n° 2016-138 du 11 février 2016 relative à la lutte contre le gaspillage alimentaire. 2016. https://www.legifrance.gouv.fr/jorf/id/JORFTEXT000032036289?r=cVP2MudJfh
[6] Gazetta Ufficiale della Republica Italiana. Disposizioni concernenti la donazione e la distribuzione di prodotti alimentari e farmaceutici a fini di solidarieta’ sociale e per la limitazione degli sprechi. 2016. https://www.gazzettaufficiale.it/eli/id/2016/08/30/16G00179/sg