Nachhaltige Landwirtschaft

Die deutsche Landwirtschaft leidet schon jetzt enorm unter der Klimakrise. Aufgrund der Methanemissionen durch die landwirtschaftlich gehaltenen Tiere, den von Düngemitteleinsatz und Entwässerungen verursachten Treibhausgasemissionen aus Mooren und Feuchtgebieten sowie durch die humusabbauende Feldbewirtschaftung zählt sie mit ca. 11 % der bundesweiten Emissionen selbst zu den größten Verursachern der Klimakrise [1] [2]. Das wollen wir ändern.

Nachhaltige Landwirtschaft

Wir setzen eine konsequente Förderpolitik zur Umstellung auf nachhaltige und gemeinwohlorientierte Landwirtschaft und Landnutzung unter Gewährleistung des Wohlbefindens der landwirtschaftlich gehaltenen Tiere sowie unter enorm verringertem Düngemittel- und Pestizideinsatz durch. Nur durch rigorosen Verzicht auf Düngemitteleinsatz in Quellbereichen, Mooren, Feuchtgebieten und für die Biodiversität unerlässlichen Flächen lassen sich Grund- und Quellwasserqualität entscheidend verbessern, die Trinkwasserversorgung sicherstellen, die Biodiversität der offenen Landschaft erhalten und die Treibhausgas-Emissionen der Feuchtgebiete reduzieren. Der Einsatz von Pestiziden muss aus den vorgenannten Gründen in der gesamten offenen Landschaft eingestellt werden.

Um die damit verbundenen Belastungen zu reduzieren und mehr Ackerfläche für den regionalen Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln zur Verfügung zu stellen, soll der Anteil der für die landwirtschaftliche Tierhaltung und den Futtermittelanbau genutzten Ackerflächen ebenso wie die Anzahl landwirtschaftlich gehaltener Tiere um mindestens 90 % reduziert werden, beispielsweise durch reduzierte Nachzucht und den weiter unten beschriebenen Ernährungswandel.

Wir entwickeln die Landwirtschaft weiter und testen Ideen wie die Kultivierung von Algen im Vertical Gardening oder auf urbanen Flächen [3] zur Nahrungsmittelproduktion und CO2-Bindung. Das Land unterstützt die Einrichtung und den Betrieb von Agri-Photovoltaik durch Beratung, Forschung, Informationskampagnen und direkte finanzielle Förderung.

Wir erleichtern die Umstellung wenig rentabler Betriebe (z. B. umsatzschwacher Kleinbetriebe) auf alternative Vertriebswege bzw. Betriebsarten (z. B. solidarische Landwirtschaft, Permakulturgärten) sowie von Betrieben aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung auf die Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel durch finanzielle Förderung und Beratung.

Der Humusaufbau auf allen landwirtschaftlichen Flächen sowie die Regeneration von Mooren und Feuchtgebieten werden mit einer CO2-Rückholprämie gefördert (siehe Programmteile Klimaziele und Umweltschutz). So kann innerhalb weniger Jahre eine Treibhausgasneutralität der Landwirtschaft und Flächennutzung erreicht werden und anschließend sogar mehr CO2 im Boden gebunden werden als die Landwirtschaft emittiert.

Tierschutz

Die Tierhaltung wird zukünftig durch personell und finanziell gestärkte Veterinärämter effektiv kontrolliert. Fließband- und Akkordschlachtungen werden sukzessive abgeschafft und von weniger industriellen Methoden abgelöst. Verbleibende landwirtschaftlich gehaltene Tiere können auch nach dem Vorbild von Lebenshöfen oder auf Lebenshöfen gehalten werden.

Auf Lebenshöfen führen Tiere, die aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung gerettet wurden (oder auch andere Tiere), ein möglichst selbstbestimmtes Leben frei von der Nutzung für menschliche Interessen. Zusätzlich soll häufig über Bildungsangebote vor Ort das Wissen vermittelt werden, das Grundlage für eine entsprechende persönliche und gesellschaftliche Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses ist. Lebenshöfe können zudem landwirtschaftliche Leistungen, etwa die Bewirtschaftung von Grünland, erbringen.

Ein weiteres Ziel besteht darin, die Zucht und Haltung von Tieren so zu gestalten, dass der Einsatz von Antibiotika nur in therapeutischen Einzelfällen notwendig ist. Dies dient der Verhinderung von Antibiotika-Resistenzen und Zoonosen. Wir streben für tierische Lebensmittel eine Kennzeichnung an, die volle Transparenz hinsichtlich der Haltungsformen schafft. Verpflichtend müssen zudem bei jedem Verkauf sowie bei der Bewerbung tierischer Produkte Informationen über die Bedingungen bei der Zucht, Haltung und Schlachtung vorhanden sein.

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Der Wandel zu einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Landwirtschaft kann nur Hand in Hand mit einer Ernährungswende gelingen. Aktuell...

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Literatur
[1] Umweltbundesamt. Emissionen der Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft. 2020. https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland/emissionen-der-landnutzung-aenderung#bedeutung-von-landnutzung-und-forstwirtschaft
[2] Umweltbundesamt. Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen. 2020. https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#treibhausgas-emissionen-aus-der-landwirtschaft
[3] Ghada Mohammad Elrayies. Microalgae: Prospects for greener future buildings. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 81, S. 1175–1191. 2018. https://doi.org/10.1016/j.rser.2017.08.032