Klimaschutz durch Umwelt- und Naturschutz

Die klimatischen Veränderungen der Klimakrise bestehen in Baden-Württemberg in erster Linie aus einer starken Erhöhung der sommerlichen Temperaturen, einer Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter sowie hin zu Wetterextremen, wie z. B. Starkregenereignisse. Die sommerliche Kombination von Trockenheit und Hitze führt zu einer starken Verschlechterung der Luftqualität, mangelnder Grund- und Trinkwasserbildung, Einbußen in der Landwirtschaft sowie Rückgängen der typischen Tier- und Pflanzenarten der Moore, Nasswiesen, Sümpfe und Quellen. Ungeachtet dessen ist die Hauptursache des dramatischen Verlusts der Artenvielfalt die intensive industrielle Landwirtschaft.

Einhaltung der internationalen Artenschutzabkommen

Baden-Württemberg muss internationale Abkommen zum Schutz der Natur Baden-Württembergs sofort einhalten. Die Naturschutzstrategie muss für die Jahre 2020-2030 fortgeschrieben werden. Dabei ist der Fokus auf die Kernthemen naturverträgliche Land- und Forstwirtschaft, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, Vernetzung von Lebensräumen sowie Bodenschutz zu legen. Das Monitoring im Rahmen des Sonderprogramms zur Biodiversität ist als dauerhafte Aufgabe zu etablieren und muss in den normalen Naturschutzhaushalt integriert werden.

Speicherung von CO2

Um den in den nächsten Jahren noch anfallenden Ausstoß von Treibhausgasen zu kompensieren, müssen die Kohlenstoff-Speicher in Wäldern, Mooren und landwirtschaftlicher Nutzflächen aufgefüllt werden. Wir setzen uns für Anerkennung und Schutz der verschiedenen (besonders auch der nicht monetären) Ökosystemdienstleistungen des Waldes ein. Wir fördern eine naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft als Grundlage natürlicher und regionaler Ressourcen. Beginnend mit dem Staatswald wollen wir nicht standortgerechte Forste zu genetisch diversen, klimatoleranten und resilienten Waldsysteme umgestalten. Dabei sollen vor allem einheimische (Laub-)Baumarten einbezogen werden.

Neben anderen Waldnaturschutzmaßnahmen (z. B. Schutz seltener Waldgesellschaften) setzen wir uns für Prozessschutzflächen und Bannwälder ein, in denen sich natürliche Sukzessionen, Dynamiken und Strukturen entwickeln können. Dies wird hauptsächlich über den Staats- und Körperschaftswald umgesetzt, jedoch auch in privaten Wäldern gefördert.

Um Lebensräume, die durch die europäische FFH-Richtlinie geschützt sind, zu regenerieren, sind Überflutungsflächen auszuweiten und Moore sowie Feuchtgebiete wiederzuvernässen. Dadurch wird einerseits die laufende Zersetzung von Torf und Humus sowie damit die Freisetzung von CO2, Methan und Lachgas gestoppt, andererseits kann ein neues Wachstum der Moore und Feuchtgebiete mit erhöhter CO2-Speicherung einsetzen. Die Maßnahmen dazu orientieren sich an Beschaffenheit und Mächtigkeit der verschiedenen Moorstandorte und werden an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasst.

Flächenversiegelung und Ende der Zerschneidung von Ökosystemen

Die Versiegelung von Flächen zerstört natürliche CO2-Senken und trägt zu einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur bei. Daher wollen wir die Neuversiegelung von Flächen in der Summe beenden. Dazu setzen wir eine verbindliche Formulierung der Ziele der Raumordnung und der Landesplanung zur Reduzierung des Flächenverbrauchs und zum Freiraumschutz gegenüber den Kommunen um.

Mögliche Zerschneidungswirkungen sind bei allen Verkehrsplanungen frühzeitig zu berücksichtigen und die Zerschneidung durch geeignete Maßnahmen von vorne herein zu umgehen. Die bereits identifizierten erforderlichen Querungshilfen (z. B. Wildbrücken) sind zügig umzusetzen.

Zudem wird die Ökokonto-Verordnung grundsätzlich neu ausgerichtet und ihr Anwendungsbereich auch auf die Bauleitplanung ausgeweitet.

Wasserqualität, Trinkwassergewinnung & Bildung von Wasserreserven

Trinkwassergewinnung aus Tiefbrunnen und Grundwasser soll so weit zurückgenommen werden, dass keine Biodiversitätskonflikte mehr vorhanden sind. Die so fehlenden Trinkwassermengen können ganzjährig durch intensivere Nutzung von Regenwasser als Brauchwasser für Toilette, Waschmaschine und Gartenbewässerung und Entnahme außerhalb der Dürreperioden aus sauberen Oberflächengewässer ausreichend ersetzt werden. Durch die sich dann laufend verbessernde Grund- und Quellwasserqualität wird die Regeneration der Quellen und Feuchtgebiete weiter unterstützt (siehe Programmteil Landwirtschaft)

Damit ist auch in den durch die Klimakrise bedingten sommerlichen Trockenperioden eine ausreichende Trinkwasserversorgung mit Grundwasser in den Tallagen sichergestellt. Für alle Wohn- und Gewerbegebäude wird in der Bauordnung je nach Dachgröße eine Regentonne oder Zisterne zwingend vorgeschrieben. Der Überlauf, auch für größere Regenrückhaltebecken, sollte auf unversiegeltes Gelände führen.

Biodiversität in der Stadt

Städte sind zwar grundsätzlich kein natürlicher Lebensraum für Tiere und Pflanzen, haben sich jedoch in den letzten Jahren zu wichtigen Rückzugsräumen entwickelt [1]. Bei Begrünung von Fassaden und Dächern in Städten wird ergänzend zu den kommunalen Förderlinien ein Förderprogramm des Landes aufgelegt, mit dem Ziel, Fassaden und Dächer mit einer hohen Artenvielfalt heimischer Flora zu begrünen. Zudem sollen geeignete Nisthilfen und Brutkästen für Vögel und Fledermäuse an öffentlichen Gebäuden angebracht werden und für private Gebäude durch das Land gefördert werden. Die für die Klimaschutzziele notwendige energetische Gebäudesanierung darf nicht zu Lasten des Artenschutzes gehen.

Ein großes und bisher wenig beachtetes Problem für den Artenschutz, insbesondere Insekten, und auch den Menschen stellt zudem die Lichtverschmutzung in der Nacht dar [2]. Wir setzen uns durch Unterstützung bei der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf insektenfreundliche Anlagen und durch Erweiterung des Beleuchtungsverbotes von Fassaden auf nichtöffentliche Bauten gegen Lichtverschmutzung ein.

Nächstes Kapitel: Das wirtschaftliche Potential der Klimagerechtigkeit
Wir streben ein ökonomisches Denken an, das als Kernziel die langfristigen Ziele der Menschheit hat. Zwischen dem gesellschaftlichem Fundament des Wohlergehens und der ökologischen Decke des planetaren Drucks liegt der sichere und gerechte Raum für die Menschheit,...

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Literatur
[1] Peter Werner und Rudolf Zahner. Biologische Vielfalt und Städte. Bonn Bad Godesberg, 2009. https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript245.pdf
[2] Marita Böttcher. Auswirkungen von Fremdlicht auf die Fauna im Rahmen von Eingriffen in Natur und Landschaft. Bonn Bad Godesberg, 2001. https://d-nb.info/964099632/04